MATERIALIEN
ICH LIEBE DIE MENSCHEN ...

O. P. Zier über sich, seine Werke und die Aufgaben der Literatur in einem Interview mit der Zeitschrift "Dolomiten" ...

 

Er ist ein ebenso erfolgreicher wie vielseitiger Schriftsteller. 0.P Zier, Jahrgang 1954, aus dem Pinzgau stammend und jetzt in St. Johann im Pongau (Salzburg) als freier Schriftsteller lebend, schreibt Romane, Hörspiele, Essays, Kommentare, Textbücher zu Filmen und Lyrik. Die Kritik bescheinigt ihm nicht nur Geist und Witz, sondern auch die Fähigkeit, einzelnen Situationen eine zum Greifen dichte Atmosphäre einzuhauchen...

"Dolomiten": Was verbinden Sie mit dem Namen Südtirol?

0. P. Zier: Mit Südtirol verbinde ich eine schöne Landschaft, aber auch Menschen, die ich kennengelernt habe und die ich schätze. Zum Beispiel Joseph Zoderer, dem ich schon in den siebziger Jahren bei einer gemeinsamen Lesung in Nordtirol begegnet bin. Auch Sepp Mall habe ich kennengelernt und viele in Österreich lebende Südtiroler. Da ich auch für den ORF arbeite, war auch Claus Gatterer eine für mich sehr wichtige Persönlichkeit.

"D": Aus welchen Werken werden Sie bei Ihrer Lesetournee in Südtirol lesen?

Zier: Vor allem aus meinem im Frühjahr erschienenen neuen Roman "Himmelfahrt", aber auch aus meinem Vorgänger-Roman "Schonzeit" (1996); beide sind im Otto-Müller-Verlag, Salzburg, erschienen, "Himmelfahrt" hat großes Echo gehabt, z. B. schrieb die "Berner Zeitung" in einer Rezension: "Der Roman schäumt über vor spritzig-prickelndem, niemals plattem Witz. Der Autor setzt seine Pointen wie Dominosteine und haucht einzelnen Situationen eine zum Greifen dichte Atmosphäre ein."

"D": Gibt es Motive, die sich wie ein goldener Faden durch Ihre Werke ziehen?

Zier: Was mich reizt sind Menschen in der sogenannten Provinz, die ihr Leben auf vermeintlichen Nebenschauplätzen leben. "Himmelfahrt" spielt in der Gegenwart, ist eine Satire auf das Landenleben, den Kulturbetrieb. "Schonzeit" war die recherchierte Geschichte eines Deserteurs, eine Liebesgeschichte auch, und eine Erzählung über die brutale Welt auf Salzburger Bergbauernhöfen zu Anfang unseres Jahrhunderts...

"D": Man sagt Ihnen eine unbändige Lust an der Provokation nach. Ist das das Ziel Ihrer Literatur?

Zier: Was als Provokation gesehen wird, ist ja nur die Umschreibung für etwas, das die Menschen berührt, nicht kalt läßt, herausfordert – im übrigen erfahre ich große Zustimmung bei den Lesern. Das Ziel von Kunst kann nur ein möglichst hohes Maß an Unbestechlichkeit sein und sich damit also auch nicht für propagandistische Zwecke instrumentalisieren lassen, egal für welche Seite. Auch das provoziert ja manche, die davon ausgehen, sich jedwede Äußerung dienstbar machen zu können. Aber zuallererst geht es natürlich um Sprache als Kunst, und Sprache kann und soll auch unterhaltsam sein ...

© Dolomiten (Alfons Gruber)

 

O.P. ZIER O. P. Zier auf der Seite des Literaturhauses Wien
Leseprobe aus dem Roman "Himmelfahrt"
http://www.literaturhaus.at/buch/buch/rez/zier/leseprobe.html