ARBEITSGEMEINSCHAFT DER GERMANISTEN NÖ.
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50. REDEWETTBEWERB IM NÖ. LANDHAUS


Am Montag, dem 6. Mai 2002, ging der 50. Redewettbewerb über die Bühne. Im NÖ. Landhaus stellten sich wieder die Kandidaten, die in den Bezirken gewonnen hatten, der Jury, um den Landessieger zu küren.
Es waren wieder schöne Leistungen zu hören.
Die Preise wurden vom LAbg.Dr. Martin Michalitsch überreicht.
Schön wäre es, wenn sich an den Redewettbewerben wieder viele Schülerinnen und Schüler beteiligen würden. Es ist eine einmalige Chance für Jugendliche, einmal vor großem Publikum zu sprechen.
Die AG Deutsch bittet die Lehrer, von dem Angebot des Jugendreferates der NÖ. Landesregierung Gebrauch zu machen!
Hier sei die Siegerrede von Stefan Kalina vom Don Bosco-Gymnasium, Unterwaltersdorf, zur Motivation abgedruckt!



Stefan Kalina
Don Bosco-Gymnasium, Unterwaltersdorf

AKWs – Vermeidbare Katastrophe


Sehr geehrte Mitglieder der Jury, wertes Publikum!


Es war, als ob es regnete. Tschernobyl, 26. April 1986. Menschen verstrahlt. Nachkommen verkrüppelt, und das ganze Land für weitere 156 Jahre nicht begehbar!

Trotzdem existieren noch immer viele solcher atomarer Wracks rund um uns herum. Nur ein Fehler und die todbringende Kettenreaktion nimmt ihren Lauf. Ganze Landstriche werden unbewohnbar. Damit aber nicht genug! Die radioaktiven Teilchen werden von der Luft aufgenommen und in den Wolken gespeichert. Nun sind für diese unsichtbare Gefahr Reiseziele sogar über die halbe Erde kinderleicht zu erreichen. Die Menschen dort würden nie im Traum daran denken, dass sie soeben radioaktiv verstrahlt werden und deswegen eine verkürzte Lebensdauer haben. Dieses Schicksal trifft nicht nur die, bei denen es aus den Wolken regnet. Nein, sondern sogar jene, über die sie nur hinwegziehen. Auch der Boden und somit alle Lebensmittel werden verstrahlt und in diesem Zustand verarbeitet, exportiert und konsumiert. So verbreitet sich dieser Tod überall. Man spürt ihn nicht. Man riecht ihn nicht und man hört ihn nicht. Dennoch ist er imstande, jedes Leben zu vernichten.

Wer jetzt glaubt, dass das alles nach Sonnenuntergang wieder vorbei ist, der irrt sich gewaltig. Bis diese Gefahr erst einmal an Wirkung verliert, dauert es Hunderte Jahre. Die Folgen einer unbestritten möglichen atomaren Katastrophe sprengen alle räumlichen und zeitlichen Grenzen! Wir nehmen unsere nachfolgenden Generationen in Geiselhaft für heutige Fehler. Kurz: Kinder haften für ihre Eltern.

Deswegen kann ich mir nicht vorstellen, dass Sie gut schlafen, wenn vor Ihrer eigenen Haustüre so ein Reaktor steht, der auch nur bei dem kleinsten Zwischenfall Ihre Existenz und die Ihrer  Nachkommen bedeutend in Frage stellt! Ja , wollen Sie das wirklich? Garantiert nicht!

Wie störanfällig AKWs sind, bekommen wir ja ständig bewiesen. Andauernd muss notabgeschaltet werden, andauernd repariert.

Auch wenn das statistische Risiko einer Kernschmelze klein ist, die Folgen sind so groß, dass sie nicht zu verantworten sind. Einer der wichtigsten Gründe für den Ausstieg aus der Atomkraft liegt auch in der  ungeklärten Entsorgung des atomaren Abbrands. Denn die Halbwertszeit von Plutonium, einem der strahlenden Abfallprodukte der Kernkraftwerke, beträgt 24.000 Jahre. Das sind fast 1000 Generationen. Nirgendwo auf der Welt gibt es bisher einen gesicherten Einschluss des Atommülls, der auch nur annähernd dieser Zeitdimension gerecht wird.

Oberste Priorität muss das Energiesparen und die Nutzung des natürlichen Angebots an erneuerbarer Energie sein. Davon gibt es ja schließlich mehr als genug: Z.B.: Wasserkraft, Sonnen-, Meeres- und Windenergie.

Wenn man sich schon allein die Wirtschaftlichkeit eines Atomkraftwerkes genauer ansieht, versteht man die Organisationen, die AKWs fördern, wirklich nicht mehr.

Zum Bau von nur einem Kraftwerk wird 1 Mrd. Euro, das sind umgerechnet fast 14 Mrd. Schilling, benötigt! Würde man  hingegen diese eine Milliarde, nehmen wir das einfachste Beispiel, in Windräder investieren, so könnte man davon 1377, also fast 1400 aufstellen.

Wenn man nun diese 47 Windfelder mit je 30 Windrädern strategisch in Österreich  verteilt, so senkt man noch dazu das Risiko, dass Ihnen sozusagen „die Luft wegbleibt". Alle verknüpft, ergibt ein nahezu hundertprozentiges Versorgungsnetz. Allerdings erhält man bloß die Hälfte der Energie, die ein Atomkraftwerk erzeugt. Von dieser Seite her  würde also alles für ein  AKW sprechen. Nur wenn man sich jetzt genau überlegt, wieviel ein klitzekleiner Fehler kosten kann, wobei ganze Gebiete zerstört werden und Hunderte von Menschen qualvoll zu Gunde gehen, kommen ganz klar nur Alternativen in Frage! Wir wollen ja schließlich nicht den Bann der High-Tech-Faszination gefährden, sondern wir wollen die Gefahren bannen!

Bei unserem Beispiel, den Windrädern, gibt es so ein Existenzfürchten gar nicht, denn das Schlimmste, was einem dabei passieren kann, ist, dass eines der Räder stehen bleibt. Dann braucht nur ein Ingenieur zu kommen und den Defekt reparieren. Das Ganze geschieht, während sich all die anderen Windräder weiterdrehen, während noch immer Strom erzeugt wird! Schon allein dieser Vorteil, meine Damen und Herren, macht selbst die Windenergie zu einer unschlagbaren Alternative. Das ist eine zuverlässige Lösung. Eine Lösung, die Zukunft hat, denn es „ geht auf keinen Fall so weiter, wenn es so weitergeht", meinte schon der berühmte Autor Erich Kästner.

Deshalb bitte ich Sie alle, stimmen auch Sie in Zukunft gegen Atomkraftwerke. Eine Katastrophe haben wir bereits ertragen müssen, und wir werden alles daran setzen, um eine neue zu verhindern.


 
agn.pi-noe.ac.at 10. 5. 2002