| ARBEITSGEMEINSCHAFT DER GERMANISTEN NÖ. |
Ein Bericht von Friedrich
Zavarsky
Allgemeines:
In diesem Kurs ging es um die Beziehung zwischen Text und Melodie, allerdings nicht im Bereich der großen Oper, sondern um liedhafte Texte und ihre Vertonungen.
Der Bogen spannte sich von den Minneliedern und Sprüchen Walthers von der Vogelweide über Müllers / Schuberts »Winterreise«, Jewtuschenkos »Babij Jar«, Henischs »Black Peter´s Songbook« bis zu Rap und Hip-Hop am konkreten Beispiel der Gruppe »Schönheitsfehler«. Neben der textlichen Arbeit und der Analyse des politischen, kulturellen und historischen Hintergrundes ging es natürlich auch um die musikalische Seite der einzelnen Werke (Dulamans Vröudenton, Ougenweide, , F. Schubert, D.Schostakowitsch, Woody Schabata/ Hans Zinkl, Schönheitsfehler u.a.). Das ganz große Ziel war aber die eigene schöpferische Tätigkeit, sowohl in sprachlicher als auch in musikalischer Hinsicht. Angesprochen waren daher vor allem Schülerinnen und Schüler, die sich mit einigem Geschick sowohl auf der textlichen als auch auf der musikalischen Ebene oder zumindest auf der textlichen oder der musikalischen Ebene bewegen konnten.
Programm und Ablauf:
Die Programmpunkte waren nicht chronologisch gereiht, da die einzelnen Referenten nur an bestimmten Tagen verfügbar waren und daher den Ablauf bestimmten.
Mittwoch:
Nach der Eröffnung der Sommerakademie begannen wir noch am Vormittag mit der theoretischen Einführung die Grundthematik unseres Kurses und danach setzten wir uns mit den Begriffen Rap und Hip-Hop und mit der Geschichte dieser Musikrichtung auseinander. Als Materialien dienten uns ein Radiokolleg des ORF vom 15. - 18. März 1999 »Vom Rezitativ zum Rap«, »Rap-Texte« aus der Reclam-Reihe »Arbeitstexte für den Unterricht«, das Buch »20 Jahre HipHop in Deutschland« von Sascha Verlan und Hannes Loh aus dem Hannibal-Verlag und eine Video-Aufzeichnung der »Kunststücke« vom 29. Mai 2002 im ORF über die Hip-Hop- Szene in Deutschland und Österreich. Außerdem versuchten die Teilnehmerinnen selbst verschiedene Varianten im Vortrag von Balladen und Gedichten (u.a. Heines »Belsazar«, Goethes »Mailied«) und analysierten den Tonumfang im Gedichtvortrag bei Alexander Moissi, Martin Held u.a..
Donnerstag:
Am Donnerstag kam Christoph Weiss von der Gruppe »Schönheitsfehler« zu uns. Zuerst beschäftigten wir uns noch einmal mit der Geschichte und der Entwicklung der HipHop-Kultur, dann gingen wir auf die textliche Seite ein. Anhand eigener Texte erklärte uns Christoph Weiss die sprachlichen Eigenheiten des Raps. Der Hauptpunkt unserer Arbeit war aber die musikalische Bearbeitung unserer eigenen Texte. Wir sahen, wie sich ein Rap vom Grundrhythmus über Melodie, Begleitung, musikalische Spezialeffekte usw. zu einem Ganzen entwickelt und erlebten auch die Schwierigkeiten und Probleme bei der Aufnahme. (Beispiele 1 und 2 auf der CD)
Freitag:
Am Freitag und am Samstag Vormittag standen Wilhelm Müllers »Winterreise« und die Vertonung von Franz Schubert auf dem Programm. Wir beschäftigten uns zuerst mit Wilhelm Müller (Biographie, historisch-politischer Hintergrund, Hinweis auf die »Griechenlieder« und kurze Analyse eines Gedichtes), verglichen die »Winterreise« mit einem ähnlichen Zyklus von Ludwig Uhland, arbeiteten Unterschiede und Gemeinsamkeiten heraus und bearbeiteten die wesentlichen Motive der »Winterreise«. Besonders interessant war auch ein Schwenk zu ausgewählten Gedichten Georg Trakls mit besonderer Betonung der Motive des Wanderns, des Fremd-Seins, des Todes. Danach wandten wir uns der musikalischen Seite und damit Franz Schubert zu. Als Unterlagen dienten uns ein Artikel von M.A. Dittrich »Die Lieder« im »Schubert-Handbuch« (hg. von Walther Dürr und Andreas Krause, Bärenreiter/Metzler 1997, S. 142 - 266), »Der epochale Winter« von Hanspeter Padrutt (Zürich 1990, darin hochinteressante Betrachtungen zur Aktualität der »Winterreise«), Fischer-Dieskaus Buch »Franz Schubert und seine Lieder« (insel taschenbuch) und Arnold Feils im Reclam Verlag erschienenes Buch »Franz Schubert. Die schöne Müllerin / Winterreise«. Im Anschluss daran schrieben die Teilnehmerinnen in Anlehnung an den Zyklus einen eigenen Zyklus, bestehend aus sechs Teilen: Abschied - eigene Befindlichkeit - Witterung - »Baum« - Rast - endgültige Trennung oder erster Schritt zur Rückkehr. (Textbeilage Beispiele 6 - 15)
Samstag:
Der Samstagnachmittag war Jewgenij Jewtuschenkos Poem »Babij Jar« und der Vertonung durch Dmitrij Schostakowitsch gewidmet. Babij Jar ist eine Schlucht bei Kiew, in der im Herbst 1941 etwa 30.000 Menschen von der SS erschossen wurden. Das Gedicht (1961 entstanden) ist aber mehr ein Vorwurf an die sowjetische Regierung, die an dieser Stelle noch kein Denkmal errichtet hat, und thematisiert vergangenen und bestehenden Antisemitismus in der Sowjetunion und damit verbundene Verdrängungsmechanismen. Dmitrij Schostakowitsch hat dieses Poem 1962 im 1. Satz seiner 13. Symphonie vertont. Als eigene Produktion sollten die Teilnehmerinnen ein Gedicht (formal angelehnt an »Babij Jar«) schreiben, in dem eine Situation verarbeitet werden sollte, die als unangenehm empfunden und »verdrängt« worden war. (Textbeilage Beispiele 1 - 5)
Sonntag:
Der Sonntag Vormittag diente zuerst der Fertigstellung der Zyklus-Gedichte und des Gedichtes vom Vortag. Dann wurde der Montag, der den Liedern des Mittelalters gewidmet war, stoffmäßig vorbereitet.
Montag:
Zur Arbeit mit den Liedern des Mittelalters hatten wir Thomas Schallaböck von der Gruppe »Dulamans Vröudenton« eingeladen. Besprochen wurden die Themen der Lieder im Mittelalter, die Begriffe »Hohe Minne«. »Ebene Minne« und »Niedere Minne«, die Aufzeichnung der mittelalterlichen Texte und der Noten u.a.., praktisch demonstriert an einer Fülle von Beispielen von Walther von der Vogelweide, Heinrich von Morungen, Oswald von Wolkenstein, Neidhart von Reuental, dem Mönch von Salzburg und aus den Carmina burana. Dazu kamen Hinweise auf Gesangs- und Begleittechniken mit Bordun, Schleifbordun, Quintparallelen als Mehrstimmigkeit usw. Einige Lieder wurden auch gemeinsam musikalisch erarbeitet, arrangiert und - allerdings ohne Publikum - interpretiert.
Dienstag:
Am Dienstag war Peter Henisch zu Gast. Ausgangspunkt der Arbeit war sein Roman »Schwarzer Peter« (mit der Textstelle »Fremd bin ich eingezogen« aus Schuberts »Winterreise«) und in weiterer Folge »Black Peter´s Songbook«, eine CD mit Gedichten und Musik von Woody Schabata und Hans Zinkl. Peter Henisch spannte den Bogen von dieser CD (mit Boogie, Blues, freier Improvisation etc.) über seinen »Morrison«-Roman (mit Musik von den Doors) und den »Baronkarl« zu seiner ebenfalls in Zusammenarbeit mit Schabata und Zinkl entstandenen CD »Wegwärts von Wien«. Zum Schluss kam noch einmal das Motiv des Wanderns mit einer Analyse von Gustav Mahlers »Lieder eines fahrenden Gesellen«. (Textbeilage Beispiel 16)
Am Abend las Peter Henisch für alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Sommerakademie aus seiner Neufassung des »Morrison«-Romans, woran sich eine angeregte Diskussion anschloss.
Mittwoch:
Der Mittwoch brachte vor allem praktische Arbeit mit dem Jazzpianisten Karl Schaupp. Am Anfang stand eine theoretische Information über die in Henischs »Black Peter´s Songbook« verwendeten musikalischen Strukturen, vor allem Blues und Boogie. Darauf folgte die Vertonung der von den Teilnehmerinnen verfassten Gedichte, teilweise in Anlehnung an bekannte Strukturen, teilweise in völlig freier Improvisation, wobei uns in Karl Schaupp ein Partner von stupendem Einfühlungsvermögen zur Verfügung stand. Die Aufnahmen dieses Tages sind auf der beigelegten CD ab Nummer 3 zu hören und zu genießen.
Donnerstag:
Am letzten Arbeitstag standen Texte von Ernst Jandl, Francois Villon, Brigitta Falkner und J.W. Goethe auf dem Programm, jeweils in ihrer Verbindung zu Musik. Bei Ernst Jandl war dies eine Lesung von Gedichten aus »laut und luise«, untermalt von Jazzmusikern (ein Mitschnitt einer ORF-Übertragung, die ich allerdings zeitlich nicht mehr einordnen kann), Francois Villons Gedichte wurden von Helmut Qualtinger in einer sehr saftigen mundartlichen Übertragung von H.C.Artmann gelesen und von Fatty George und anderen Jazzmusikern begleitet. Brigitta Falkners Texte sind zwar ohne Musikbegleitung, auf Grund ihrer klanglichen Struktur aber überaus »musikalisch« - es sind Lipogramme, die bewusst auf einen oder mehrere Vokale verzichten. In ihrem Buch »Fabula rasa« (Ritter Verlag 2001) verwendet sie einmal nur die Vokale A und U (»AU!«) und einmal nur das I. Den Abschluss bildeten Gedichte von J.W. Goethe in musikalischen Bearbeitungen verschiedenster Stilrichtungen - Rock, Pop, Chanson, HipHop, NeoRomantic, Alternativ etc. Diese CD (»Rosebud - Songs of Goethe and Nietzsche«) ist im Jahre 1999 im Rahmen der kulturellen Aktivitäten von Weimar, der Kulturhauptstadt Europas 1999, entstanden und bietet sehr beeindruckende Ergebnisse. (Textbeilage Beispiele 17 - 19)
Abschließende Bemerkungen:
Die Sommerakademie zur Förderung hochbegabter Schülerinnen und Schüler bietet herausragende Möglichkeiten der Arbeit mit Schülerinnen und Schülern. Das beginnt bei der Wahl des Themas (wann hat man im regulären Unterricht Zeit für solche Meilensteine wie Müllers / Schuberts »Winterreise« oder Jewtuschenkos »Babij Jar«?), geht über relativ große Freiheiten in der zeitlichen Gestaltung (wer von uns kennt nicht das alles zerstörende Läuten mitten in einer packenden Diskussion über einen Text?) bis zur Zusammensetzung der Gruppe (im gegebenen Fall zumindest Hochinteressierte!). Dazu kommt die Möglichkeit der Zusammenarbeit mit außerschulischen Spezialisten. Gerade dieses Hinausgehen aus dem rein schulischen Bereich ist etwas, das unbedingt angestrebt und weiter verfolgt werden sollte, da dadurch ein anderer Zugang zur Materie erreicht wird, sowohl im inhaltlichen als auch im didaktischen Bereich. Die Arbeit mit unseren externen Fachleuten (Christoph Weiss als in der Szene sehr bekannter Vertreter der HipHop-Kultur, Thomas Schallaböck als professioneller Interpret von mittelalterlichen Liedern, Peter Henisch als anerkannter Schriftsteller, Karl Schaupp als Jazzpianist mit großer Improvisationsgabe) war ungemein fruchtbar und anregend, außerdem waren alle vier Herren in der Arbeit mit den Schülerinnen sehr engagiert. Ein weiterer Punkt ist, dass ein »normaler« Lehrer gar nicht über die technische Ausrüstung verfügt, die für eine entsprechende Arbeit notwendig ist (so brachte beispielsweise Thomas Schallaböck mehr als sechzig verschiedene Instrumente mit!)
Friedrich Zavarsky
1.
Mein Babij Jar
Vorüber gehen sie, wie Roboter,
vorbei an mir, der Schuldigen,
oder?
Programmiert, gesteuert. Von wem?
Wie sich mich betrachten,
mich,
die Schuldige,
oder doch nicht?
Ihre Augen tasten meinen Körper ab,
von oben bis unten, von vorne bis hinten.
Unangenehm.
Jeder Blick ein weiterer Riss,
in meinem Herzen, in meinem Schutz,
ein weiterer Schritt zu meiner inneren Blöße.
Zur Schau gestellt.
Wie ihre Blicke wandern,
zuerst zu mir, dann zu dir,
zur Zentrale,
teuflisches Grinsen.
Was verbindet euch?
Wut steigt in mir hoch,
und Hass,
Verzweiflung,
Unsicherheit.
Euer Ziel?
Dein Ziel!
Mit vereinten Kräften.
Einer mit allen, alle gegen eine.
Und doch spür ich Mitleid, Traurigkeit,
weil du mich verkennst,
willst es nicht, nicht mehr.
Offensichtlich.
Ich weine der schönen Zeit nach.
Und flüchte vor der Gegenwart.
Freudig war ich eingezogen,
fremd zieh ich wieder aus.
Fremd bin ich hier, bin ich dir,
geworden.
Und ihnen.
Spür es durch Blicke, Gesten, Worte...,
die sie mir zuwerfen.
Absichtlich,
unkontrolliert,
unbewusst.
Mit vereinten Kräften.
Und alleine?
Warum nicht du alleine?
Angst?
Angst?
Angst?
Du hast Angst, du!
Warum?
Miriam
2.
ein schlechter mensch
er sprach
von liebe
warme sonne auf ihrer haut
einmal
tanzte sie auf der straße
einen abend glück
in dunklen zimmern
auf staubigen matratzen
in einem hinterhof
nur eine nacht - sommernacht.
beginn. anfang.
viel zuviel
dann war er fort
gänzlich in tränen.
traurig sie
nur das
was er zurückgelassen
wuchs als problem in ihr.
nicht hass, verzweiflung lenkte
ihre schritte
sie, verfolgt vom bösen blick
vom straßenrand und hinter vorhängen
jeder wusste nur das
arme, arme kind
mörderin und sünde
hören, was man nicht will
nie getane schreie
dröhnten dumpf in ihrem ohr
augen zu und auf den stuhl
klettern
gleich ist´s vorbei
grausam verzerrt
ihr gesicht
der wind löste strähnen aus
ihrem zopf
da war es herbst
und sie still, verzweifelt
die zeit zerrann wie
ihre locken
zwischen ihren fingern
ständiges hallen
mörderin, mörderin
die auf der straße, die alle
mörderin, mörderin
selbst ihre mutter
mörderin, mörderin
nun glaubst sie es selbst
mörderin
sünde.
Ulli
3.
Er hat kein Denkmal,
wie könnte er haben?
Er verriet ja unsere Stadt!
Und sein Name war Hnát!
Wir waren klein und hatten viel Silben
Aber sie auch!
Was hat es denn ihnen nicht gereicht?
Eines Tages war schon Nacht
Bewachte er am Stadttor,
plötzlich sah er eine Menschenmenge
und sie betrat unsere Stadt!
Alles wollten sie beherrschen,
aber vier Augen sahen sie,
die ganze Stadt belebte,
und überall war nur Pulver!
Hnát wurde ins Wasser geworfen
Und seine Belohnung?
Sein Skelett steht auf unserem Rathaus
Und jede Stunde muss er läuten!
Marcela
4.
Du warst mir wie ein Stern, der nach unten fällt,
du warst mir wie ein Glück, das man ganz fest hält.
(Nun) es bleiben nach dem Licht und Wärme nur noch bloße Wunden,
und das alles, was in Händen war, ist jetzt schon verschwunden.
Es fällt mir schwer dich weiter zu sehen,
einer von uns beiden sollte gehen.
Trotzdem spüre ich Schmerzen, dass das so ist,
da du für mich alles gewesen bist.
So stehst du vor mir, verlegen und stumm,
ich schließe die Augen und drehe mich um.
Katka
5.
Die Leute leiden immer noch darunter,
was schon vorbei ist, doch es geht in
ihnen irgendwie weiter.
Wird das mal anders sein?
Die Freiheit wurde beschränkt, das Leben
in die falsche Richtung abgelenkt.
Die Blumen sollten anders duften, die Vögel
sind nach Süden geflogen.
Ständig wurde etwas eingeredet und vorgemacht
und damit wurde die Fähigkeit sich selbst
zu entscheiden abgestumpft.
Jetzt haben wir diese sinnlose Mauer
hinter uns, die frische Luft kommt in unsere
Lungen und singt.
Doch es sind Spuren geblieben, die immer noch
zu finden sind.
Und immer noch verhindern.
Und der morgige Tag
liegt völlig
in unseren Händen.
Katka
6.
Das Sommerlied
Am Morgen, wenn alles noch still ist,
steht eine Kiefer beim Meer und hört:
das erste Vogelspiel hat schon begonnen,
das warme Wind weckt auf die Naturbewohner.
Es ist Sommer...
Und jetzt ist alles wirklich besonders:
Der Vogel singt ein schönes neues Lied
Obwohl die Grillen in ihrem Chor lauter sind.
Die erste morgendliche Sonne ist schon klar.
Das Meer braust
Der Badegast taucht
Das Sommerleben ist am Morgen jetzt da.
Und so hört die Kiefer den Gesang der Natur
Und genießt solange der Wind singt.
Er ist schon neugierig und möchte wissen:
Was für einen Tag wird der Sommer heute bringen?
Vanja
7.
Traum
Ich träumte von der Sonne
die ist immer da,
ich träume von Winterblumen
die ich im Frühling sah.
Ich träume von den Leuten
die immer hilfsbereit sind
Es gibt wenig solche
Aber ich hoffe, dass es irgendwo mehr von ihnen gibt.
Ich träume, obwohl manche sagen:
»Die Träume haben keinen Sinn«,
weil ich weiß
dass ich sicher nicht verrückt bin;
Im Traum sehe ich alles
Was ich niemals sah,
eine ganz andere Welt
Gegensatz zu dieser da.
Vanja
8.
In mir ist wie im dunklen Wald,
dein Herz schlägt von mir so weit,
ich spür mir ist seltsam kalt
und ich bin allein mit diesem Leid.
Nach der Nacht kommt wieder Tag,
die Vögel zwitschern wahnsinnig fröhlich,
nach der Nacht soll kommen Tag,
das ist bei mir kaum noch möglich.
Katka
9.
Die Tropfen fallen mir in die Seele,
in mich kommt eine kalte Welle.
So geht´s mir immer bei dem Regen,
heute ist das aber nicht nur deswegen.
Auf einmal kommt ein großes Gewitter,
damit werden meine Erinnerungen bitter.
Mein Gedächtnis ist leider viel zu reich,
ich würde das am liebsten vergessen gleich.
Katka
10.
Wetter
Ich sehe Federwolken auf dem Himmel,
sie bewegen sich und bummeln,
die Sonne scheint und brennt,
der Wind rauscht wie ein ruhiges Meer.
Plötzlich kommt die böse Wolke
(und) alle verstecken sich hinter der Gewitterwolke.
Es herrscht Wärme und Schwüle
alles rotiert um unsere Mühle!
Hörend einen stillen Donner,
kommt zweiter und dritter,
es blitzt und überall gibt´s Dunkel,
und die Wassertropfen fallen!
Marcela
11.
Traum
Ich bin allein in der Wüste,
niemand zu sehen und überall nur Sand,
was suche ich hier?
Vielleicht eine Küste und einen Strand!
Meine Füße tun mir weh,
ich schwitze und fühle nichts,
ich höre nur eine ruhige Stimme - geh!
Dein Ziel ist nicht weit!
Ich gehe langsam auf meinem Weg,
meine Füße sinken im Sand ein,
die Sonne scheint und brennt
und meine Seele bummelt in der Einsamkeit!
Schon sehe ich viel Wasser und einen einsamen Strand,
ich bin schon da
und so bald!
Na ja, ich bin die Beste in meinem Land!
Ich komme näher und näher,
und noch immer nichts,
was habe ich denn gesehen?
Ich sehe einen schwarzen Baum,
da klingelt mein Wecker
und ich weiß,
das war nur ein böser Traum!
Marcela
12.
Flucht
Geblieben war ich stets bei dir
gefangen nur von deiner Gier.
Verflucht sollst du sein für all meine Pein,
nie wieder will ich in deiner Nähe sein.
Doch jetzt ist Schluss,
mein Leben nur noch Verdruss.
Fliehen will ich vor deinem Spiel,
Freiheit ist mein neues Ziel.
Von nun an fass´ ich neuen Mut,
vor Neugier tobt bereits mein Blut.
Wird unsere Zeiten nie vergessen,
bin von Aufbruch ganz besessen.
Miriam
13.
Trauerlied
Fort von dir und fort vom Schmerz,
Wut und Hass erdrücken mein Herz.
Schwarze Töne in meinen Gedanken,
schleichende Angst, nur endloses Schwanken.
Die Melodien, sie klingen so traurig,
die Harmonien, so dunkel und schaurig,
meine Seele ist zutiefst verletzt,
der Hass, er war so groß zuletzt.
Miriam
14.
Die Quelle
Wie fühl ich mich jetzt ohne dich,
Trauer fällt wie ein Schleier von mir.
Mein Inneres wie eine verborgene Quelle
von Glück, die nun frisch fröhlich sprudeln darf.
Auf einem Berg stehen und schreien,
singen, Melodien von freudigen Harmonien,
C-Dur, A-Dur, D-Dur, ewig hell,
ein Spiel von farbigen Frühlingstönen.
Durch eine Wiese, durch die Wolken,
die Sterne berühren, mit Sternschnuppen reisen.
Ich schließe mich dem Gesang der Nachtigall an,
auf einer Baumkrone, die Welt zu Füßen liegend.
Nach dem Motto »Walking high above the world«
spazier ich durch die Straßen,
die Leute beobachtend,
die Sonne stets an meiner Seite.
Ich hab meine Quelle wiedergefunden,
lange dauerte meine Reise dorthin.
Hinter mir liegt ein beschwerlicher Weg.
Meine Quelle aber wird zu einem kraftvollen Strom.
Miriam
15.
das ende der welt
Und wenn die ganze
welt
zerfällt
und ich in allen
einzelnen trümmern
das größte elend
seh
absolute trostlosigkeit
dann schlag ich
die übriggebliebenen
fetzen
dem zerfall um die ohren
häng mich an deinen
hals
fühle alles bröckeln
nur uns nicht
wir sind die gewalten
die zerstörung fegt
nur an uns vorbei
ewig liegen wir
glücklich
was sonst.
Ulli
16.
dienstag-blues
heute fällt der regen und ich habe kalte hände
heute fällt der regen und ich habe kalte hände
meine gedanken dröhnen dumpf und schwer.
mach die augen zu und küss mich leise.
mach die augen zu und küss mich leise
manche bilder verschwinden nie
du einen schluck, ich einen schluck
du einen schluck, ich einen schluck
zwei für die entfernung zwischen uns
einmal versuchen wir es noch
einmal versuchen wir es noch
die ewigkeit beginnt.
Ulli
17.
Anna
am anfang
klagt anna.
anfangs
wagt anna.
da sang anna.
dann kam
hass.
anna.
was macht anna?
was kann anna?
wann?
am tag?
nachts?
annas hand - kalt.
annas haar - schwarz.
anna - alt.
halt!
Ulli
18.
Peter lebt dem Weg entfernt. Er stellte fest, er lebt neben dem Neffe, der Segeln pflegt.
Katka
19.
Am Anfang sah Karl Magda lang an. Karl klagt, fragt Magda: »Sag war Sandra da, als Franz kam?« - »Ja«, sprach Magda. Karl sah Magda an. »Wann?«, fragt Karl. - »Als Franz da war.« - »Am Strand?« - »Ja«, sagt Magda. Da sah Karl schwarz. »Bla, bla, bla...« sprach Magda. »Was?« fragt Karl. Magda lacht: »Ha ha ha...!«
Miriam
| agn.pi-noe.ac.at | 10. 10. 2002 |