LITERATURGESCHICHTE DES MITTELALTERS
Ein kurzer Überblick...


Download im WORD-Format

Hinweis: Die downgeloadete Seite erlaubt die direkte Eingabe von Ergänzungen über das Textverarbeitungsprogramm!

DIE ANFÄNGE

Urheimat der Germanen: Südschweden, Dänemark, Schleswig-Holstein und Niedersachsen; allmähliche Ausbreitung nach Osten (Weichsel), Westen (Rhein) und Süden (Donau).

Stationen der Entwicklung:

  • Die 1. Lautverschiebung setzte etwa zwischen 1200 und 1000 v. Chr. ein und war zwischen 500 und 300 v. Chr. abgeschlossen. Durch sie kam es zur Differenzierung zwischen den germanischen und den übrigen indogermanischen Sprachen. Im Zuge der ersten Lautverschiebung wurden z. B. die stimmlosen Verschlusslaute p, t und k zu stimmlosen Reibelauten f, d und h, im Englischen zu f, th und h (z. B. lateinisch pater zu althochdeutsch Fater, englisch father, neuhochdeutsch Vater).
  • 476 n. Chr.: Ende des weströmischen Reiches; die ersten Germanenreiche entstehen auf weströmischem Boden

  • 481 – 911: Gründung und Aufbau des westgermanischen Frankenreiches (Merowinger, später Karolinger)

  • 768 - 814: Kaiser Karl der Große. Entstehung der deutschen Sprache durch Absonderung aus dem Westgermanischen (2. Lautverschiebung)
  • Nach 750: Beginn der deutschen Literatur; erste schriftliche Aufzeichnungen in deutscher Sprache

Germanische Kultur:

  • Runenzeichen für religiös-magische Inschriften
  • Oberste Werte: Heil und Ehre der Sippe, später Treueverpflichtung gegenüber dem Gefolgsherrn
  • Schicksalsglaube: Mensch erlebt unabwendbare Situationen, in denen er bestehen muss
  • Religion: Götter sind Freunde der Menschen (Ziu, Donar, Wodan etc.)
  • Dichtung wird nur mündlich überliefert

Dichtungen kleineren Umfanges:

In der früheren germanischen Zeit entstanden Dichtungen kleineren Umfanges, die als Sprachdenkmäler von Bedeutung sind:

  • Ritualdichtung: Gebete, Opferverse, Totenklagen
  • Zauberdichtung: z. B. Merseburger Zaubersprüche
  • Spruchdichtung: Sprichwörter, Rätsel
  • Merkdichtung: Geschichtliches, Landeskundliches, Mystisches
  • Kleinlyrik: Hochzeits-, Arbeits-, Liebeslieder, Spottgedichte
  • Mythen, Märchen: phantasievolle Erklärungen für Naturvorgänge

Diese Art von Dichtung war aufs Engste mit der Religion verbunden und daher heidnischer Gesinnung. Die Klöster und Klosterschulen, Träger des geistigen Lebens, bekämpften und unterdrückten diese bestehende „primitive“ Poesie.

Dichtungen größeren Umfanges:

Umfangreichere Dichtungen entstanden erst in der Zeit der Völkerwanderung. Heldenlieder und deren Vorläufer, die Preislieder, wurden von sangeskundigen Rittern (bei den Westgermanen Skopen, bei den Nordgermanen Skalden genannt) den Herrschern und ihren adeligen Gefolgsleuten mit musikalischer Begleitung vorgetragen. Ihre Stoffe behandelten v. a. Heldentaten aus der Zeit der Völkerwanderung. Je länger und weiter die Lieder wanderten, desto mehr veränderten sie das wirkliche Geschehen. Personen und Ereignisse, die Jahrhunderte auseinander lagen, wurden verschmolzen.

Dadurch entstanden verschiedene Sagenkreise:

  • Burgundischer Sagenkreis (Nibelungenlied)
    Die historische Grundlage bildet die Zerstörung des Burgunderreiches durch die Hunnen im Jahre 436. Dabei fällt König Günther.
  • Hunnischer Sagenkreis (Attila = Etzel)
    Historische Grundlage: Attila, der bedeutendste hunnische Herrscher, die „Gottesgeißel", blieb den Völkern nachhaltig in Erinnerung. Als er 453 in der Brautnacht nach seiner Vermählung mit der Germanin Hildico starb, brachte man diesen Umstand bald mit der Vernichtung der Burgunden in Zusammenhang.

  • Ostgotischer Sagenkreis (Dietrich von Bern, Waffenmeister Hildebrand)
    Historische Grundlagen: Sieg Theoderichs des Großen über Odoaker bei Ravenna im Jahre 493 („Rabenschlacht").
    Untergang des Ostgotenreiches in Italien 551 (Theoderich und sein Vater Theodemes verschmelzen zur Sagenfigur Dietrich von Bern)
  • Normannisch-friesischer Sagenkreis (Hettel und Hilde, Tochter Gudrun)
    Historische Grundlage: Wikingerfahrten und -kämpfe
  • Langobardische Rothersage (König Rother)

In allen erwähnten Sagenkreisen gibt es epische Heldenlieder. Zwei Kurzzeilen mit je zwei betonten Silben werden mittels Alliteration (Stabreim) zu einer Langzeile vereinigt. Die Heldenlieder werden bis ins 13. Jahrhundert mündlich überliefert. Karl der Große ließ zwar Heldenlieder sammeln und aufzeichnen, diese Sammlung ging aber verloren. Der Kunst des mündlichen Vortrages ist es zu verdanken, dass einige Stoffe überlebten und in mittelhochdeutscher Zeit in einer künstlerisch geschlossenen Form aufgezeichnet wurden.

Erhaltene Werke:

  • Das einzige in althochdeutscher Sprache bruchstückweise erhaltene Heldenlied ist das Hildebrandslied aus dem Kloster Fulda.
  • Althochdeutsche Heldensagen drangen auch nach Norden vor und fanden Eingang in der „Edda“ (29 Götter- und Heldenlieder, die im 13. Jahrhundert in Island aufgezeichnet wurden und bereits christlichen Einfluss aufweisen.)
  • Die Bibelübersetzung des gotischen Bischofs Wulfila (ca. 311-381) gehört zu den größten Übersetzungsleistungen der Weltliteratur.
  • Der Heliand stammt aus dem 9. Jahrhundert und behandelt das Leben Jesu (ca. 6 000 Verse).
  • Das Muspilli ist ein Weltuntergangsgedicht (9.Jht).
  • Das Wessobrunner Gebet ist gekennzeichnet durch eine Synthese aus heidnischen und christlichen Elementen.
  • Das Evangelienbuch des Mönches Otfried (um 860) erzählt die Lebensgeschichte Christi. Es handelt sich um  die Kunstdichtung eines Gelehrten, der erstmals in der deutschen Literaturgeschichte den Endreim verwendet.

  • Das Ludwigslied wurde 881 zu Ehren des westfränkischen Königs Ludwig III. anlässlich seines Sieges über die Normannen gedichtet. Es erinnert an alte Heldenlieder.

Das 10. und 11. Jahrhundert ist durch den Siegeszug des Christentums sowie durch die Vormachtstellung des Lateinischen gekennzeichnet.

Lateinische Dichtung im Dienst der Kirche:

  • Die Nonne Hroswitha von Gandersheim (ca. 930 - 970) schrieb mehrere kurze Dramen, Legenden und Evangelienspiele (Oster-, Dreikönigs-, Passionsspiele).

Deutsche Dichtung im Dienst der Kirche:

  • Das Ezzo-Lied ist ein weitschweifiger Welterlösungszyklus, der ca. 1064 entstand; Verfasser ist der Bamberger Domherr Ezzo.
  • Das Anno-Lied ist eine Art Weltgeschichte, geschrieben zu Ehren des Kölner Erzbischofs Anno um 1077.
  • Frau Ava (um 1125) schrieb das „Leben Jesu". Sie war die erste Dichterin in deutscher Sprache. Avas Söhne, beide Geistliche, unterrichteten sie in der Auslegung der Texte („Dizze buoch dihtote zweier chinde muoter.“)

Lateinische Volksdichtung:

  • Walthari-Lied: um 900 vom St. Gallener Klosterschüler Ekkehart niedergeschrieben, um 1050 überarbeitet und in dieser Form erhalten. Es handelt sich um ein deutsches Heldenlied in lateinischen Hexametern.

  • Ruodlieb: Text in lateinischen Hexametern, zw. 1030 und 1050 im Kloster Tegernsee geschrieben, in Bruchstücken erhalten. Gab das Lebensbild einer ganzen Epoche wieder: Bilder vom Fürstenhof, Bauernhaus, Ritterburg, Dorf, Feste etc. Der Ruodlieb gilt als erster frei erfundener deutscher Roman.

MITTELHOCHDEUTSCHE ZEIT
(12. - 14. Jahrhundert)
HELDENEPOS

Die mhdt. Dichtung ist gekennzeichnet durch die Verwendung folgender Formen:

  • Heldenepos (Volksepos): deutsche Helden
  • Ritterlich-höfisches Epos: Stoffe der französischen Ritterdichtung
  • Minnesang: höfische Ritterlyrik (Sonderform: Spruchdichtung)

Epos: Großform erzählender Dichtung in Versen
Basiswissen und vertiefende Abschnitte siehe:
„Virtuelles Klassenzimmer“, 9. Schulstufe: http://deutsch.pi-noe.ac.at/stoff9/index.htm (Bereich Epik)

Das Heldenepos bearbeitet germanische Heldenlieder, die auf alter Überlieferung basieren. Das bekannteste Beispiel ist das Nibelungenlied.

  • Nibelungenlied
    Nibelungenlied und Handschrift aus St. Paul siehe:
    „Virtuelles Klassenzimmer“, 10. Schulstufe: http://deutsch.pi-noe.ac.at/stoff10/h3.htm
    aeiou:
    http://www.aeiou.at/aeiou.encyclop.n/n615646.htm
  • Gudrunlied
    Österreichischer Verfasser, Name unbekannt. Entstanden um 1200, gehört stofflich zum friesischen Sagenkreis. Die einzige erhaltene Handschrift befindet sich im Ambraser Heldenbuch (geschrieben am Beginn des 16. Jahrhunderts für Kaiser Maximilian).
    Das Gudrunlied enthält die Geschichte des irischen Königssohnes Hagen und dessen Familie.
    aeiou: http://www.aeiou.at/aeiou.encyclop.k/k901001.htm
  • Dietrichepen
    Im Mittelpunkt steht der Ostgotenkönig Theoderich, der in der Sage als Dietrich von Bern weiter lebt.
    Kern der Dietrichsagen: Dietrich wird von Odoaker vertrieben, lebt 30 Jahre in der Verbannung an Etzels (= Attilas) Hof und erobert mit Hilfe der Hunnen sein Reich zurück. Zu diesem Stoff entstanden im 13. Jahrhundert mehrere Dietrichepen.
MITTELHOCHDEUTSCHE ZEIT
(12. - 14. Jahrhundert)
HÖFISCHES EPOS

Durch den Einfluss der Kreuzzüge (Kontakt mit fremden Völkern und Ländern) ergaben sich neue Stoffe und Schauplätze für die höfische Dichtung. Hinzu kommt der Einfluss Frankreichs (Sagenkreis um Karl den Großen: „chansons de geste"), der Artussage (kommt von England über Frankreich nach Deutschland) und der Gralssage.

Das höfische Epos ist eine Standesdichtung, die von Rittern für Ritter geschrieben wurde. Der ideale Ritter ist das Vorbild (Sollseinsdichtung). Die Epen wurden vorgelesen, nicht vorgesungen.

Exkurs: Ritterliche Ideale

Der Ritter strebt nach ...

  • minne:
    Durch Frauendienst erringt der Ritter hohe Minne, d. h. die Achtung hoch gestellter Frauen. Der Ritter erwählt eine Dame, die höher gestellt ist als er, als Minnedame. Er ist ihr zu triuwe und staete verpflichtet, dient ihr durch Anbetung und erfüllt ihr alle Wünsche. In Turnieren kämpft er ihr zu Ehren und erwirbt für sie varndes guot (Edelsteine, schöne Stoffe etc.). Er besingt sie in Minneliedern. Die Dame schuldet ihm - nach langem Dienst - minne lon, das heißt sie bezeut ihre Zuneigung vorerst durch Kopfnicken, dann durch Grüßen. Oberster Lohn ist die Ehe.
    Die niedere Minne strebt nach sinnlicher Erfüllung bei einfachen Mädchen aus dem Volk.

  • ere:
    ere und varndes guot erringt der Ritter durch Herrendienst. Er muss jederzeit bereit sein, für seinen Herrn ins Feld zu ziehen und steht deswegen in dauerndem Training. Aus diesem Grunde beteiligt er sich auch an Turnieren.

  • gotes hulde:
    Durch Gottesdienst erringt der Ritter Gottes Gnade. Er ist zum Kampf gegen die Heiden in den Kreuzzügen, zur Achtung vor Kirche und Klerus und zur Nächstenliebe verpflichtet.

  • Der Ritter hat stets auf maze, auf ausgleichende Beachtung aller drei Bereiche zu achten. Eine weitere Forderung ist die nach zuht, nach Beherrschen der Triebe und nach höfischem Benehmen. Alles in allem strebt er nach hövescheit, nach feinem, gebildetem Wesen, gesittetem Handeln und liebenswürdiger Wohlerzogenheit.

 

Vertreter der höfischen Ependichtung:

Heinrich von Veldeke
Wurde in den heutigen Niederlanden geboren, gelehrte Bildung, Hauptwerk "Eneide" (geschrieben ca. 1170-1190), Quelle: franz Bearbeitung der „Aeneis“ von Vergil. Achtete besonders auf Reinheit von Reim, Stil, Form und Metrik.


Hartmann von Aue
Ca. 1170-1215, Schwabe, im Dienst der Herren von Aue, zu seiner Zeit berühmtester unter den höfischen Dichtern.

Biographie und Handschrift „Iwein“ siehe:
„Virtuelles Klassenzimmer“, 10. Schulstufe: http://deutsch.pi-noe.ac.at/stoff10/h4.htm

Hartmann schrieb die ersten Artusromane Deutschlands nach dem Vorbild des Franzosen Chrestien de Troyes. Die Artusritter werden bei ihm zum Inbegriff des ritterlichen Ideals.

  • „Erec“ (Epos)
    Erec vergisst über sein Eheglück die ritterlichen Pflichten, durch Frau Enite findet er wieder zur „maze" zurück.
  • „Iwein“ (Epos)
    Iwein erliegt dem Rausch der Turniere, seine Frau Laudine verlässt ihn, verzeiht sie ihm jedoch wieder.
  • „Gregorius uf dem steine" (Legende): erste höfische Legende in deutscher Sprache.
    Gregorius heiratet unwissentlich seine Mutter (Ödipusmotiv). Durch freiwillige Verbannung will er für die doppelte Blutschande büßen, doch Gott beruft ihn auf den päpstlichen Thron.
  • „Der arme Heinrich“ (Legende): Familienlegende der von Aue. Der lebenslustige Ritter von Aue wird von Aussatz befallen und kann nur durch das Opfer eines Mädchens gesund werden. Es findet sich zwar ein Bauernmädchen, der Ritter verzichtet jedoch auf das Opfer. Gott befreit ihn dennoch vom Aussatz. Heinrich heiratet das Mädchen.
Wolfram von Eschenbach
Ca. 1170-1220, Eschenbach liegt bei Ansbach im bayrischen Frankenland. Mittelloser Ritter, weilte mehrere Male auf der Wartburg als Gast seines Gönners Hermann von Thüringen; eigenwillige Natur, menschlich, humorvoll, phantasiereich.

Biographie und Handschrift „Willehalm“ siehe:
„Virtuelles Klassenzimmer“, 10. Schulstufe: http://deutsch.pi-noe.ac.at/stoff10/h5.htm

Wolfram verfasste neben Minneliedern die höfischen Epen ...

  • „Parcival“: Leben des gleichnamigen Gralsritters
  • „Willehalm": unvollendet; nach einem französischem Epos im Auftrag von Hermann von Thüringen; Wolfram preist Toleranz, Humanität, Nächstenliebe
  • „Titurel": unvollendet; Liebesgeschichte

Gottfried von Straßburg
Gestorben um 1220. Wahrscheinlich bürgerlicher Herkunft, da er von Zeitgenossen immer als „Meister" bezeichnet wird; besaß lateinische, französische und theologische Bildung, in der vornehmen Gesellschaft Straßburgs integriert. Vorbilder: Heinrich von Veldeke und Hartmann von Aue

  • Einziges großes Werk: „Tristan und Isolde"

Ergänzung: Wernher der Gartenaere
Wernher lebte in der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts vermutlich im Gebiet Inn - Salzach.

„Meier Helmbrecht" (Epos): Helmbrecht, der Sohn eines reichen Bauern, verachtet und verspottet die einfache bäuerliche Lebensweise. Er will sich trotz der Ermahnungen des Vaters gegen seinen Stand erheben und schließt sich Raubrittern an. Seine Schwester heiratet den Raubritter Lammerschling. Während der Hochzeitsfeier werden die Raubritter gefangen genommen und gehängt, Helmbrecht wird geblendet,
ein Fuß und eine Hand werden ihm abgehauen. Schließlich wird er vom Vater verstoßen und letztendlich ebenfalls gehängt.

Gesellschaftskritisches Zeitbild: Verfall des Rittertums, Auflösung der Ständeordnung, Problem der „superbia“
. Moral: Zerstörung der natürlichen Ordnung der Gesellschaft führt zu allgemeinem und eigenem Unglück.

MITTELHOCHDEUTSCHE ZEIT
(12. - 14. Jahrhundert)
MINNESANG

Formen des Minnesangs:

  • Botenlied: Ritter schickt an die Dame Boten mit Liebesbotschaft, Gespräch Bote – Dame; Rückkehr des Boten, Gespräch mit dem Ritter
  • Frauenstrophen: Frau spricht von ihrer Liebe
  • Tagelied: Abschied zweier Liebender nach einer gemeinsam verbrachten Nacht
  • Klagelied: Klage über Tod des Fürsten, einer Frau, über geringen Minnelohn etc.
  • Tanzlied: Aufforderung zum Tanz
  • Kreuzlied: Abschied bei Aufbruch zum Kreuzzug
  • Sonderform: Spruchdichtung (politische Tagesfragen)

Frühhöfischer Minnesang (ca. 1150-1170):

In dieser Zeit entstanden Minnelieder noch nicht nach französischem Vorbild. Die Autoren sind oft nicht bekannt (namenlose Lieder). Mann und Frau stehen einander auf ungezwungene Weise gegenüber (z. B.: „Du bist min, ich bin din“)

Höfischer Minnesang (ca. 1170-1250):

  • Friedrich von Hausen (ca. 1150-1190)
    Begründer der ritterlich-höfischen Lyrik nach französischem Vorbild, großer Einfluss auf spätere Minnesänger, starb während eines Kreuzzugs.
  • Heinrich von Morungen (ca. 1180-1222)
    Neben Walther größter Lyriker des Mittelalters; schildert Liebesglück und -schmerz als Leidenschaft.
  • Reinmar von Hagenau (ca. 1160-1210)
    Hofsänger am Babenbergerhof Leopolds V., begleitete ihn auf einem Kreuzzug; Lehrherr Walthers von der Vogelweide. Höhepunkt des höfischen Minnesangs; hohe Formkunst. Thema: unerfüllte Liebe (das „sich ewig senen"), melancholische, sehnsüchtige, klagende Stimmung.
    aeiou: http://www.aeiou.at/aeiou.encyclop.r/r441176.htm
  • Walther von der Vogelweide (ca. 1163-1228)
    Ausbildung zum Minnesänger am Babenbergerhof in Wien (v. a. durch Reinmar von Hagenau), vorerst Minnelieder im konventionell-höfischen Stil; im Gefolge Philipps von Schwaben Spruchdichter im Dienst des Reiches und der Kirche; später fahrender Sänger.

    Walther löst sich von der strengen Formenwelt der höfischen Lyrik und preist fortan die niedere Minne: „Mädchenlieder“ (Anregungen aus der lateinischen Vagantenlyrik und der Volksdichtung, ohne Rücksicht auf Standesschranken)
    Im Dienst des Welfen Otto IV. schreibt Walther drei „Kaisersprüche" (Idealisierung der Idee des deutschen Kaisertums) und drei „Papstsprüche". Sein nächster Dienstherr, der Stauferkaiser Friedrich II., gab ihm um 1220 ein kleines Lehen in der Nähe von Würzburg.

    Zur politischen Spruchdichtung Walthers von der Vogelweide siehe:
    "Virtuelles Klassenzimmer", 10. Schulstufe: http://deutsch.pi-noe.ac.at/stoff10/ma_walther.htm
  • Ulrich von Liechtenstein (ca. 1200-1275)
    Steiermark, ausdrucksfähig und leidenschaftlich, Minnelyrik mit grotesken Übertreibungen.
  • Oswald von Wolkenstein (14. Jhdt.)
    Letzter Minnesänger, dann Übergang in bürgerlichen Meistergesang; Dichtung bereits gelöst von höfischen Formen. Oft im Gefolge von König Sigismund; kennt und erzählt von arabischen Ländern, Preußen, Dänemark etc. Gute Quelle des historischen Umfeldes der Zeit um 1400.
    Minnesang ist nicht mehr Broterwerb, Minnesänger muss daher nicht mehr Rücksicht nehmen auf Wünsche der Auftraggeber oder des Publikums.
  • Neidhart von Reuenthal (ca. 1180-1250)
    Stammte aus Bayern, Begründer der Dorfpoesie als Weiterentwicklung des höfischen Minnesangs („Sommerlieder“, „Winterlieder“)

    Biographie und Handschrift Neidharts siehe:
    "Virtuelles Klassenzimmer", 10. Schulstufe: http://deutsch.pi-noe.ac.at/stoff10/h8.htm

 

BÜRGERLICHES SPÄTMITTELATER
(ausgehendes Mittelalter, 14./15. Jahrhundert)

Die Zeit ist gekennzeichnet durch:

  • Verfall des Rittertums (Gründe u. a. Erfindung des Schießpulvers, Scheitern der Kreuzzüge)
  • Wirtschaftlicher Aufstieg der Städte und des Bürgertums (Schulen)
  • Neue geistige Strömung: Frühhumanismus
  • Mystik (Loslösung von der Macht der Kirche, individueller Weg zu Gott)
  • Befreiung der Wissenschaft von der Autorität der Kirche
  • Wandel der Sprache (Übergang zum Neuhochdeutschen)

Meistergesang:
Dichtende Handwerker setzten Lyrik der Minnesänger fort, künstlerischer Wert gering, v. a. erzieherische Bedeutung (u. a. in Mainz, Nürnberg, München, Wien, Steyr, Wels).
Die Meistersinger waren zunftmäßig streng hierarchisch organisiert. Auf der untersten Stufe stand der „Singer“, der lediglich mit den Regeln der Komposition vertraut war. Der „Sänger“ oder „Dichter“ verfasste eigene Texte auf bestehende Melodien, als „Meister“ galt der Schöpfer eines neuen Tones (Text und Melodie). Die „Merker“ als künstlerische Zensoren standen an der Spitze dieser Hierarchie. Die Kunst der Meistersinger war streng reglementiert in der so genannten Tabulatur. Die vom Minnesang übernommene dreiteilige Liedform basierte auf achtsilbigen Versen, die zwei Takten entsprachen.
Hauptvertreter: Hans Sachs
1494 – 1576 (Nürnberg), Schuhmacher. Gebildet und belesen (u. a. Boccaccio, lat. und griech. Schriftsteller, dt. Heldensagen, Bibel...). Verfasste über 4000 Meistergesänge, rund 130 Komödien und Tragödien, 85 Fastnachtspiele; Sprüche, Fabeln.
"Virtuelles Klassenzimmer", 10. Schulstufe: http://virtuelleschuledeutsch.at/stoff10/index.htm
(Bereich: Mittelalter, Schwerpunkt „Von Neidhart zu Hans Sachs...)

Volkslied:

Anspruchsloses Lied, Verfasser meist unbekannt; Themen: Abschied, Liebesglück, Liebesleid, Tanz, Heimatliebe, Sagen.
Weiters:

  • Ständelieder (z. B. Jäger-, Müller-, Studentenlieder)

  • Kirchenlied: ins Deutsche übersetzte lateinische Hymnen, religiöse Texte zu Volksliedmelodien

Drama:

  • Religiöses Drama: Weihnachts-, Propheten-, Oster-, Passions-, Legenden-, und Fronleichnamsspiele; besonders bekannt war „Jedermann" (engl. Vorlage „Everyman", im 20. Jhdt. von Hugo von Hofmannsthal für die Salzburger Festspiele erneuert)
  • Weltliches Drama: Ursprung waren alte Bräuche (z. B. Perchtenlauf, Sonnwendfeiern, Fastnacht); durch Einführung von Rede und Gegenrede entstanden die ersten Theaterstücke.

Prosa:

Erst ab 1300; Rechts-, Geschichts-, Predigt-, Legendenliteratur, Literatur der Mystiker
Autoren: Mechthild von Magdeburg, Meister Eckhart, Johannes Tauler, Heinrich Seuse, Thomas von Kempen, Nikolaus von Kues