| DIE
ANFÄNGE
Urheimat der
Germanen: Südschweden, Dänemark, Schleswig-Holstein und Niedersachsen;
allmähliche Ausbreitung nach Osten (Weichsel), Westen (Rhein) und Süden
(Donau).
Stationen
der Entwicklung:
- Die 1.
Lautverschiebung setzte etwa zwischen 1200 und 1000 v. Chr. ein
und war zwischen 500 und 300 v. Chr. abgeschlossen. Durch sie kam es
zur Differenzierung zwischen den germanischen und den übrigen
indogermanischen Sprachen. Im Zuge der ersten Lautverschiebung
wurden z. B. die stimmlosen Verschlusslaute p, t und k
zu stimmlosen Reibelauten f, d und h, im Englischen zu
f, th und h (z. B. lateinisch pater zu
althochdeutsch Fater, englisch father, neuhochdeutsch Vater).
-
476
n. Chr.: Ende des weströmischen Reiches; die ersten Germanenreiche
entstehen auf weströmischem Boden
-
481
– 911: Gründung und Aufbau des westgermanischen Frankenreiches (Merowinger,
später Karolinger)
- 768 - 814: Kaiser Karl der Große.
Entstehung der deutschen Sprache durch Absonderung aus dem
Westgermanischen (2. Lautverschiebung)
- Nach 750: Beginn der deutschen
Literatur; erste schriftliche
Aufzeichnungen in deutscher Sprache
Germanische
Kultur:
- Runenzeichen
für religiös-magische Inschriften
- Oberste
Werte: Heil und Ehre der Sippe, später Treueverpflichtung gegenüber
dem Gefolgsherrn
- Schicksalsglaube:
Mensch erlebt unabwendbare Situationen, in denen er bestehen muss
- Religion:
Götter sind Freunde der Menschen (Ziu, Donar, Wodan etc.)
- Dichtung
wird nur mündlich überliefert
Dichtungen
kleineren Umfanges:
In
der früheren germanischen Zeit entstanden Dichtungen kleineren
Umfanges, die als Sprachdenkmäler von Bedeutung sind:
- Ritualdichtung:
Gebete, Opferverse, Totenklagen
- Zauberdichtung:
z. B. Merseburger Zaubersprüche
- Spruchdichtung:
Sprichwörter, Rätsel
- Merkdichtung:
Geschichtliches, Landeskundliches, Mystisches
- Kleinlyrik:
Hochzeits-, Arbeits-, Liebeslieder, Spottgedichte
- Mythen,
Märchen: phantasievolle Erklärungen für Naturvorgänge
Diese
Art von Dichtung war aufs Engste mit der Religion verbunden und daher
heidnischer Gesinnung. Die Klöster und Klosterschulen, Träger des
geistigen Lebens, bekämpften und unterdrückten diese bestehende
„primitive“ Poesie.
Dichtungen
größeren Umfanges:
Umfangreichere
Dichtungen entstanden erst in der Zeit der Völkerwanderung. Heldenlieder
und deren Vorläufer, die Preislieder, wurden von sangeskundigen
Rittern (bei den Westgermanen Skopen, bei den Nordgermanen Skalden
genannt) den Herrschern und ihren adeligen Gefolgsleuten mit
musikalischer Begleitung vorgetragen. Ihre Stoffe behandelten v. a.
Heldentaten aus der Zeit der Völkerwanderung. Je länger und weiter die
Lieder wanderten, desto mehr veränderten sie das wirkliche Geschehen.
Personen und Ereignisse, die Jahrhunderte auseinander lagen, wurden
verschmolzen.
Dadurch
entstanden verschiedene Sagenkreise:
- Burgundischer
Sagenkreis (Nibelungenlied)
Die historische Grundlage bildet die Zerstörung des
Burgunderreiches durch die Hunnen im Jahre 436. Dabei fällt König
Günther.
-
Hunnischer
Sagenkreis (Attila = Etzel)
Historische Grundlage: Attila, der bedeutendste hunnische Herrscher,
die „Gottesgeißel", blieb den Völkern nachhaltig in
Erinnerung. Als er 453 in der Brautnacht nach seiner Vermählung mit
der Germanin Hildico starb, brachte man diesen Umstand bald mit der
Vernichtung der Burgunden in Zusammenhang.
- Ostgotischer
Sagenkreis (Dietrich von Bern, Waffenmeister Hildebrand)
Historische Grundlagen: Sieg Theoderichs des Großen über Odoaker
bei Ravenna im Jahre 493 („Rabenschlacht").
Untergang des Ostgotenreiches in Italien 551 (Theoderich und sein
Vater Theodemes verschmelzen zur Sagenfigur Dietrich von Bern)
- Normannisch-friesischer
Sagenkreis (Hettel und Hilde, Tochter Gudrun)
Historische Grundlage: Wikingerfahrten und -kämpfe
- Langobardische
Rothersage (König Rother)
In
allen erwähnten Sagenkreisen gibt es epische Heldenlieder. Zwei
Kurzzeilen mit je zwei betonten Silben werden mittels Alliteration
(Stabreim) zu einer Langzeile vereinigt. Die Heldenlieder werden bis ins
13. Jahrhundert mündlich überliefert. Karl der Große ließ zwar
Heldenlieder sammeln und aufzeichnen, diese Sammlung ging aber verloren.
Der Kunst des mündlichen Vortrages ist es zu verdanken, dass einige
Stoffe überlebten und in mittelhochdeutscher Zeit in einer künstlerisch
geschlossenen Form aufgezeichnet wurden.
Erhaltene
Werke:
Das
10.
und 11. Jahrhundert ist durch den Siegeszug des Christentums sowie durch
die Vormachtstellung des Lateinischen gekennzeichnet.
Lateinische Dichtung im Dienst der Kirche:
- Die Nonne Hroswitha von Gandersheim (ca. 930 - 970) schrieb
mehrere kurze Dramen, Legenden und Evangelienspiele (Oster-, Dreikönigs-,
Passionsspiele).
Deutsche Dichtung im Dienst der Kirche:
- Das Ezzo-Lied ist ein weitschweifiger Welterlösungszyklus,
der ca. 1064 entstand; Verfasser ist der Bamberger Domherr Ezzo.
- Das Anno-Lied ist eine Art Weltgeschichte, geschrieben zu
Ehren des Kölner Erzbischofs Anno um 1077.
- Frau Ava (um 1125) schrieb das „Leben
Jesu". Sie war die erste Dichterin in deutscher Sprache.
Avas Söhne, beide Geistliche, unterrichteten sie in der Auslegung
der Texte („Dizze buoch dihtote zweier chinde muoter.“)
Lateinische Volksdichtung:
-
Walthari-Lied:
um 900 vom St. Gallener Klosterschüler Ekkehart niedergeschrieben,
um 1050 überarbeitet und in dieser Form erhalten. Es handelt sich
um ein deutsches Heldenlied in lateinischen Hexametern.
-
Ruodlieb:
Text in lateinischen Hexametern, zw. 1030 und 1050 im Kloster
Tegernsee geschrieben, in Bruchstücken erhalten. Gab das Lebensbild
einer ganzen Epoche wieder: Bilder vom Fürstenhof, Bauernhaus,
Ritterburg, Dorf, Feste etc. Der Ruodlieb gilt als erster frei
erfundener deutscher Roman.
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MITTELHOCHDEUTSCHE
ZEIT
(12. - 14. Jahrhundert)
HELDENEPOS
Die mhdt. Dichtung ist gekennzeichnet durch die
Verwendung folgender Formen:
- Heldenepos (Volksepos): deutsche Helden
- Ritterlich-höfisches Epos: Stoffe der französischen Ritterdichtung
- Minnesang: höfische Ritterlyrik (Sonderform: Spruchdichtung)
Epos: Großform erzählender Dichtung in Versen
Basiswissen und vertiefende Abschnitte siehe:
„Virtuelles
Klassenzimmer“, 9. Schulstufe: http://deutsch.pi-noe.ac.at/stoff9/index.htm
(Bereich Epik)
Das
Heldenepos bearbeitet germanische Heldenlieder, die auf alter Überlieferung
basieren. Das bekannteste Beispiel ist das Nibelungenlied.
- Nibelungenlied
Nibelungenlied und
Handschrift aus St. Paul siehe:
„Virtuelles Klassenzimmer“, 10.
Schulstufe: http://deutsch.pi-noe.ac.at/stoff10/h3.htm
aeiou: http://www.aeiou.at/aeiou.encyclop.n/n615646.htm
- Gudrunlied
Österreichischer
Verfasser, Name unbekannt. Entstanden um 1200, gehört stofflich zum
friesischen Sagenkreis. Die einzige erhaltene Handschrift befindet
sich im Ambraser Heldenbuch (geschrieben am Beginn des 16.
Jahrhunderts für Kaiser Maximilian).
Das Gudrunlied enthält die Geschichte des
irischen Königssohnes Hagen und dessen Familie.
aeiou: http://www.aeiou.at/aeiou.encyclop.k/k901001.htm
- Dietrichepen
Im Mittelpunkt steht der
Ostgotenkönig Theoderich, der in der Sage als Dietrich von Bern
weiter lebt.
Kern der Dietrichsagen: Dietrich wird von Odoaker vertrieben, lebt
30 Jahre in der Verbannung an Etzels (= Attilas) Hof und erobert mit
Hilfe der Hunnen sein Reich zurück. Zu diesem Stoff entstanden im
13. Jahrhundert mehrere Dietrichepen.
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MITTELHOCHDEUTSCHE
ZEIT
(12. - 14. Jahrhundert)
HÖFISCHES EPOS
Durch den Einfluss der Kreuzzüge (Kontakt mit fremden
Völkern und Ländern) ergaben sich neue Stoffe und Schauplätze für
die höfische Dichtung. Hinzu kommt der Einfluss Frankreichs (Sagenkreis
um Karl den Großen: „chansons de geste"), der Artussage (kommt
von England über Frankreich nach Deutschland) und der Gralssage.
Das höfische Epos ist eine Standesdichtung, die von
Rittern für Ritter geschrieben wurde. Der ideale Ritter ist das Vorbild
(Sollseinsdichtung). Die Epen wurden vorgelesen, nicht vorgesungen.
Exkurs:
Ritterliche Ideale
Der
Ritter strebt nach ...
-
minne:
Durch Frauendienst erringt der Ritter hohe Minne, d.
h. die Achtung hoch gestellter Frauen. Der Ritter erwählt eine
Dame, die höher gestellt ist als er, als Minnedame. Er ist ihr zu triuwe
und staete verpflichtet, dient ihr durch Anbetung und erfüllt
ihr alle Wünsche. In Turnieren kämpft er ihr zu Ehren und erwirbt
für sie varndes guot (Edelsteine, schöne Stoffe etc.). Er
besingt sie in Minneliedern. Die Dame schuldet ihm - nach langem
Dienst - minne lon, das heißt sie bezeut ihre
Zuneigung vorerst durch Kopfnicken, dann durch Grüßen. Oberster
Lohn ist die Ehe. Die
niedere Minne strebt nach sinnlicher Erfüllung bei einfachen Mädchen
aus dem Volk.
-
ere:
ere
und varndes guot erringt der Ritter durch Herrendienst.
Er muss jederzeit bereit sein, für seinen Herrn ins Feld zu ziehen
und steht deswegen in dauerndem Training. Aus diesem Grunde
beteiligt er sich auch an Turnieren.
-
gotes
hulde:
Durch Gottesdienst
erringt der Ritter Gottes Gnade. Er ist zum Kampf gegen die Heiden
in den Kreuzzügen, zur Achtung vor Kirche und Klerus und zur Nächstenliebe
verpflichtet.
-
Der
Ritter hat stets auf maze, auf ausgleichende Beachtung
aller drei Bereiche zu achten. Eine weitere Forderung ist die nach zuht,
nach Beherrschen der Triebe und nach höfischem Benehmen. Alles in
allem strebt er nach hövescheit, nach feinem,
gebildetem Wesen, gesittetem Handeln und liebenswürdiger
Wohlerzogenheit.
Vertreter der höfischen Ependichtung:
Heinrich von Veldeke
Wurde in den heutigen Niederlanden geboren, gelehrte Bildung, Hauptwerk "Eneide"
(geschrieben ca. 1170-1190), Quelle: franz Bearbeitung der „Aeneis“
von Vergil. Achtete besonders auf Reinheit von Reim, Stil, Form und
Metrik.
Hartmann von Aue
Ca. 1170-1215, Schwabe, im Dienst der Herren von Aue,
zu seiner Zeit berühmtester unter den höfischen Dichtern.
Biographie und Handschrift „Iwein“ siehe:
„Virtuelles
Klassenzimmer“, 10. Schulstufe: http://deutsch.pi-noe.ac.at/stoff10/h4.htm
Hartmann schrieb die ersten Artusromane Deutschlands
nach dem Vorbild des Franzosen Chrestien de Troyes. Die Artusritter
werden bei ihm zum Inbegriff des ritterlichen Ideals.
- „Erec“ (Epos)
Erec vergisst über sein Eheglück die ritterlichen Pflichten, durch
Frau Enite findet er wieder zur „maze" zurück.
- „Iwein“ (Epos)
Iwein erliegt dem Rausch der Turniere, seine Frau Laudine verlässt
ihn, verzeiht sie ihm jedoch wieder.
- „Gregorius uf dem steine"
(Legende): erste höfische Legende in deutscher Sprache.
Gregorius heiratet unwissentlich seine Mutter (Ödipusmotiv). Durch
freiwillige Verbannung will er für die doppelte Blutschande büßen,
doch Gott beruft ihn auf den päpstlichen Thron.
- „Der arme Heinrich“ (Legende):
Familienlegende der von Aue. Der lebenslustige Ritter von Aue wird
von Aussatz befallen und kann nur durch das Opfer eines Mädchens
gesund werden. Es findet sich zwar ein Bauernmädchen, der Ritter
verzichtet jedoch auf das Opfer. Gott befreit ihn dennoch vom
Aussatz. Heinrich heiratet das Mädchen.
Wolfram von Eschenbach
Ca. 1170-1220, Eschenbach liegt bei Ansbach im
bayrischen Frankenland. Mittelloser Ritter, weilte mehrere Male auf der
Wartburg als Gast seines Gönners Hermann von Thüringen; eigenwillige
Natur, menschlich, humorvoll, phantasiereich.
Biographie und Handschrift „Willehalm“ siehe:
„Virtuelles
Klassenzimmer“, 10. Schulstufe: http://deutsch.pi-noe.ac.at/stoff10/h5.htm
Wolfram
verfasste neben Minneliedern die höfischen Epen ...
- „Parcival“:
Leben des gleichnamigen Gralsritters
- „Willehalm": unvollendet; nach einem französischem
Epos im Auftrag von Hermann von Thüringen; Wolfram preist Toleranz,
Humanität, Nächstenliebe
- „Titurel": unvollendet; Liebesgeschichte
Gottfried von Straßburg
Gestorben um 1220. Wahrscheinlich bürgerlicher
Herkunft, da er von Zeitgenossen immer als „Meister" bezeichnet
wird; besaß lateinische, französische und theologische Bildung, in der
vornehmen Gesellschaft Straßburgs integriert. Vorbilder: Heinrich von Veldeke und Hartmann von Aue
- Einziges großes Werk: „Tristan und Isolde"
Ergänzung: Wernher der Gartenaere
Wernher lebte in der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts
vermutlich im Gebiet Inn - Salzach.
„Meier Helmbrecht" (Epos): Helmbrecht, der Sohn eines
reichen Bauern, verachtet und verspottet die einfache bäuerliche
Lebensweise. Er will sich trotz der Ermahnungen des Vaters gegen seinen
Stand erheben und schließt sich Raubrittern an. Seine Schwester
heiratet den Raubritter Lammerschling. Während der Hochzeitsfeier
werden die Raubritter gefangen genommen und gehängt, Helmbrecht wird
geblendet, ein Fuß und eine Hand werden ihm abgehauen. Schließlich wird er vom
Vater verstoßen und letztendlich ebenfalls gehängt.
Gesellschaftskritisches Zeitbild: Verfall des Rittertums, Auflösung der
Ständeordnung, Problem der „superbia“. Moral: Zerstörung der natürlichen
Ordnung der Gesellschaft führt zu allgemeinem und eigenem Unglück.
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MITTELHOCHDEUTSCHE
ZEIT
(12. - 14. Jahrhundert)
MINNESANG
Formen des Minnesangs:
- Botenlied: Ritter schickt an die Dame Boten mit Liebesbotschaft,
Gespräch Bote – Dame; Rückkehr des Boten, Gespräch mit dem
Ritter
- Frauenstrophen: Frau spricht von ihrer Liebe
- Tagelied: Abschied zweier Liebender nach einer gemeinsam verbrachten
Nacht
- Klagelied: Klage über Tod des Fürsten, einer Frau, über geringen
Minnelohn etc.
- Tanzlied: Aufforderung zum Tanz
- Kreuzlied: Abschied bei Aufbruch zum Kreuzzug
- Sonderform: Spruchdichtung (politische Tagesfragen)
Frühhöfischer Minnesang (ca.
1150-1170):
In
dieser Zeit entstanden Minnelieder noch nicht nach französischem
Vorbild. Die Autoren sind oft nicht bekannt (namenlose Lieder). Mann
und Frau stehen einander auf ungezwungene Weise gegenüber (z. B.: „Du
bist min, ich bin din“)
Höfischer
Minnesang (ca. 1170-1250):
- Friedrich von Hausen (ca. 1150-1190)
Begründer der ritterlich-höfischen Lyrik nach
französischem Vorbild, großer Einfluss auf spätere Minnesänger,
starb während eines Kreuzzugs.
- Heinrich
von Morungen (ca. 1180-1222)
Neben Walther größter Lyriker des Mittelalters;
schildert Liebesglück und -schmerz als Leidenschaft.
- Reinmar von Hagenau (ca. 1160-1210)
Hofsänger am Babenbergerhof Leopolds V.,
begleitete ihn auf einem Kreuzzug; Lehrherr Walthers von der
Vogelweide. Höhepunkt des höfischen Minnesangs; hohe Formkunst.
Thema: unerfüllte Liebe (das „sich ewig senen"),
melancholische, sehnsüchtige, klagende Stimmung.
aeiou: http://www.aeiou.at/aeiou.encyclop.r/r441176.htm
- Walther von der Vogelweide (ca. 1163-1228)
Ausbildung zum Minnesänger am Babenbergerhof in
Wien (v. a. durch Reinmar von Hagenau),
vorerst Minnelieder im konventionell-höfischen Stil; im Gefolge
Philipps von Schwaben Spruchdichter im Dienst des Reiches und der
Kirche; später fahrender Sänger.
Walther löst sich von der strengen Formenwelt der höfischen Lyrik
und preist fortan die niedere Minne: „Mädchenlieder“
(Anregungen aus der lateinischen Vagantenlyrik und der
Volksdichtung, ohne Rücksicht auf Standesschranken)
Im Dienst des Welfen Otto IV. schreibt Walther drei „Kaisersprüche"
(Idealisierung der Idee des deutschen Kaisertums) und drei
„Papstsprüche". Sein nächster Dienstherr, der Stauferkaiser
Friedrich II., gab ihm um 1220 ein kleines Lehen in der Nähe von Würzburg.
Zur politischen Spruchdichtung Walthers von der Vogelweide siehe:
"Virtuelles Klassenzimmer", 10.
Schulstufe: http://deutsch.pi-noe.ac.at/stoff10/ma_walther.htm
- Ulrich von Liechtenstein (ca. 1200-1275)
Steiermark, ausdrucksfähig und leidenschaftlich,
Minnelyrik mit grotesken Übertreibungen.
- Oswald
von Wolkenstein (14. Jhdt.)
Letzter Minnesänger, dann Übergang in bürgerlichen Meistergesang;
Dichtung bereits gelöst von höfischen Formen. Oft im Gefolge von König
Sigismund; kennt und erzählt von arabischen Ländern, Preußen, Dänemark
etc. Gute Quelle des historischen Umfeldes der Zeit um 1400.
Minnesang ist nicht mehr Broterwerb, Minnesänger muss daher nicht
mehr Rücksicht nehmen auf Wünsche der Auftraggeber oder des
Publikums.
- Neidhart
von Reuenthal (ca. 1180-1250)
Stammte aus Bayern, Begründer der Dorfpoesie als Weiterentwicklung
des höfischen Minnesangs („Sommerlieder“, „Winterlieder“)
Biographie und Handschrift Neidharts siehe:
"Virtuelles Klassenzimmer", 10.
Schulstufe: http://deutsch.pi-noe.ac.at/stoff10/h8.htm
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BÜRGERLICHES
SPÄTMITTELATER
(ausgehendes
Mittelalter, 14./15. Jahrhundert)
Die
Zeit ist gekennzeichnet durch:
- Verfall
des Rittertums (Gründe u. a. Erfindung des Schießpulvers,
Scheitern der Kreuzzüge)
- Wirtschaftlicher
Aufstieg der Städte und des Bürgertums (Schulen)
- Neue
geistige Strömung: Frühhumanismus
- Mystik
(Loslösung von der Macht der Kirche, individueller Weg zu Gott)
- Befreiung
der Wissenschaft von der Autorität der Kirche
- Wandel
der Sprache (Übergang zum Neuhochdeutschen)
Meistergesang:
Dichtende
Handwerker setzten Lyrik der Minnesänger fort, künstlerischer Wert
gering, v. a. erzieherische Bedeutung (u. a. in Mainz, Nürnberg, München,
Wien, Steyr, Wels).
Die Meistersinger waren zunftmäßig streng
hierarchisch organisiert. Auf der untersten Stufe stand der
„Singer“, der lediglich mit den Regeln der Komposition vertraut war.
Der „Sänger“ oder „Dichter“ verfasste eigene Texte auf
bestehende Melodien, als „Meister“ galt der Schöpfer eines neuen
Tones (Text und Melodie). Die „Merker“ als künstlerische Zensoren
standen an der Spitze dieser Hierarchie. Die Kunst der Meistersinger war
streng reglementiert in der so genannten Tabulatur. Die vom Minnesang übernommene
dreiteilige Liedform basierte auf achtsilbigen Versen, die zwei Takten
entsprachen.
Hauptvertreter: Hans Sachs
1494 – 1576 (Nürnberg), Schuhmacher. Gebildet und belesen (u. a.
Boccaccio, lat. und griech. Schriftsteller, dt. Heldensagen, Bibel...).
Verfasste über 4000 Meistergesänge, rund 130 Komödien und Tragödien,
85 Fastnachtspiele; Sprüche, Fabeln.
"Virtuelles
Klassenzimmer", 10. Schulstufe:
http://virtuelleschuledeutsch.at/stoff10/index.htm
(Bereich: Mittelalter, Schwerpunkt „Von Neidhart zu Hans Sachs...)
Volkslied:
Anspruchsloses Lied,
Verfasser meist unbekannt; Themen: Abschied, Liebesglück, Liebesleid,
Tanz, Heimatliebe, Sagen.
Weiters:
-
Ständelieder (z.
B. Jäger-, Müller-, Studentenlieder)
-
Kirchenlied:
ins Deutsche übersetzte lateinische Hymnen, religiöse Texte zu
Volksliedmelodien
Drama:
- Religiöses
Drama:
Weihnachts-, Propheten-, Oster-, Passions-, Legenden-, und
Fronleichnamsspiele; besonders bekannt war „Jedermann" (engl.
Vorlage „Everyman", im 20. Jhdt. von Hugo von Hofmannsthal für
die Salzburger Festspiele erneuert)
- Weltliches
Drama:
Ursprung waren alte Bräuche (z. B. Perchtenlauf, Sonnwendfeiern,
Fastnacht); durch Einführung von Rede und Gegenrede entstanden die
ersten Theaterstücke.
Prosa:
Erst
ab 1300; Rechts-, Geschichts-, Predigt-, Legendenliteratur, Literatur
der Mystiker
Autoren: Mechthild von Magdeburg, Meister Eckhart, Johannes Tauler,
Heinrich Seuse, Thomas von Kempen, Nikolaus von Kues
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