http://www.gruene.at/topic/medien/medien-19.htm
Kurze Bemerkungen über das Verhältnis der Kronenzeitung zu KünstlernVon Peter Turrini
Ich werde in der Kronen Zeitung in unregelmäßigen Abständen vorgeführt. Die Vorführung erfolgt zumeist gruppenweise: Es ist von Hrdlicka, Jelinek, Peymann, Turrini und Konsorten die Rede. Von subventionierten Österreichbeschimpfern, von Ostküstensympathisanten, von Linkslinken und stalinistischen Auftragskünstlern, die ihren Judaslohn vorwiegend zum Branntweiner tragen. Manchmal wird einer aus der Konsortenreihe zum Häfenpoeten ernannt und die anderen zu seinen Geistesbrüdern.
Im Klartext heißt das: Diese Künstler rauben den Staat aus, beschimpfen ihn dafür, sind ständig besoffen, rassisch nicht einwandfrei und haben einen Hang zum Kriminellen. Eine Auseinandersetzung mit unseren Werken und unseren Argumenten findet nicht statt.
Ich denke, das hat Methode: Man ächtet verschiedene Menschen und Menschengruppen und wirft sie den eigenen Lesern zum Fraße vor. Die Arbeiter, die Kleinbürger, die Mittelständler sind die Verlierer der rapiden Veränderungen. Sie sind real bedroht und sollen sich doch keineswegs gegen ihre Bedroher richten. Sie verlieren ihre Arbeit, ihre Identität, ihre gewohnte Umgebung und suchen einen Schuldigen. Sie brauchen jemanden, an dem sie ihren Frust, ihre Verzweiflung dingfest machen können. Die Kronen Zeitung bietet ihnen etwas:
Ausländer, Juden, Sozialschmarotzer, Künstler. Man braucht nicht nachzudenken, sondern nur zuzugreifen.
Ich glaube nicht, daß die meisten Redakteure der Kronen Zeitung diese Methode in Übereinstimmung mit sich selbst betreiben. Sie wollen überleben und erfüllen den Geist ihres Herrn. In privaten Begegnungen äußern sie durchaus Sympathien für den einen oder anderen von uns. Das macht die Sache nicht weniger dreckig.
Peter Turrini,Schriftsteller
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