ZUM WERK

Sprache:

Prosa
In den pathetischen Szenen wie dem Abschied der Nachtigall verwendet Bauernfeld Stanzen (10 - 11 Silben pro Verszeile) mit dem Reimschema  ab ab ab cc.
RANFTL, M.: AFFEN
Beispiel:
Volk, armes Volk, dem ich mich zugewendet, (A)
Das mich zurückstieß, da ´s mich nicht verstand (B)
Zu Deinem Heile glaubt´ ich mich gesendet, (A)
Zu Deiner Glorie, o Vaterland! (B)
Nun seh´ ich´s wohl: mein Auge war geblendet, (A)
Ich griff den Zeiten vor mit kühner Hand – (B)
Was gährend lag im Keimen, im Entfalten, (C)
Ich träumte süß, es dauernd zu gestalten. (C)

Graphiken:

Die Graphiken stammen von Mathias Ranftl, einem Maler der Biedermeierzeit, der   durch Tierbilder bekannt wurde, was ihm in Wien den Beinamen "Hunde-Raffael" eintrug. Das Bild illustriert die 4. Szene und stellt 2 Kammerherrn in der Gestalt von Affen dar.

Grundgedanke:

Bauernfeld wollte - ähnlich Orwell rund 100 Jahre später in der "Farm der Tiere" - anhand eines Modellfalles das Umschlagen  jeder Revolution in eine Gewaltherrschaft zeigen. Das Werk entstand jedoch zu einem Zeitpunkt (April 1848), zu dem dieser Fall in Wien noch nicht eingetreten war. Daher benützte der Autor für die weitere Darstellung Ereignisse der Revolution in Paris 1830 und 1848, die in der 2. Hälfte des Dramas frei nach seinen Vorstellungen bzw. Befürchtungen gestaltet wurden. Bauernfeld nimmt damit die Ereignisse in Frankreich (Juni 1848) und in Wien (Herbst 1848) vorweg.

Den Grundgedanken formuliert Bauernfeld in der 13. Szene:


Maulwurf
: ... Die Republik wird sich nicht halten. Die Leute werden sich gegenseitig zu Grunde richten - ein Bürgerkrieg, ein allgemeines Blutbad - darauf ein Tyrann, ein militärischer Despot - das wird das Ende vom Liede sein.
Adler: Und was weiter?
Maulwurf: Was weiter? Nichts weiter! Dann ist´s aus - dann fängt´s wieder von vorne an. Die Geschichte ist ein ewiger Kreislauf.

 

Historisch-biographischer Hintergrund:

Die Revolution 1848

Der folgende Link informiert - aus ungarischer Sicht (in engl. Sprache)  über Vorgeschichte und Verlauf der Revolution des Jahres 1848 ...

Link: Webseite des ungarischen Außenministeriums

 

Bauernfeld hat sich nicht nur in den Jahren vor der Revolution aktiv politisch betätigt, sondern stand auch im März 1848 an vorderster Front.


Ereignisse Frühjahr 1848

  • 11. 3.: Bauernfeld verfaßt im Einverständnis mit seinem Freund Bach (1848 Justizminister, 1849 Innenminister) eine Protestnote gegen die Regierung, die am 11. 3. 1848 an die niederösterreichischen Stände zur Weiterleitung an die Regierung übergeben wird.
  • 13. 3.: Am ersten Revolutionstag wird Bauernfeld mit A. Grün Zeuge der Vorgänge im Ständehaus.
  • 13. 3.: Entlassung Metternichs
  • 15. 3.: Bauernfeld fordert in Audienz bei Erzherzog Franz Karl (Bruder Kaiser Ferdinands, Mitglied der Staatskonferenz) eine Konstitution.
  • 16. 3.: Bekanntmachung der Konstitution
  • 16. 3.: Entlassung Sedlnitzkys
  • 17. 3.: Bauernfeld fordert in einem neuerlichen Aufruf die sofortige Einsetzung einer provisorischen Regierung.


Unmittelbar danach erkrankt Bauernfeld an einer Gehirnhautentzündung, die sich zunächst durch eine äußerst verworrene Rede bemerkbar macht. Die Ärzte können ihn zwar wiederherstellen, raten ihm jedoch zu einer Erholungsphase. Bauernfeld reist daraufhin nach Graz, nachdem er seinen gesundheitlichen Zustand öffentlich bekannt gemacht hat. In dieser Kundmachung formuliert er auch sein politisches Programm,  fordert  Einigkeit statt Seperatismus und sieht das außenpolitische Ziel in einem Bund mit Deutschland.

In Graz, wo er die Revolution an einer Nebenfront miterlebt, schreibt Bauernfeld im April das Theaterstück "Die Republik der Tiere", im Mai kehrt er nach Wien zurück. Nach Ausbruch der Oktoberrevolution verläßt er Wien mit der befreundeten Familie Wertheimstein in Richtung Brünn. Bauernfeld war bekanntlich jahrelang mit der Bankiersfamilie Wertheimstein befreundet. Die Familie wohnte in einer Villa in der Döblinger Hauptstraße 96, dem heutigen Bezirksmuseum,  und stellte dem Dichter auf dem benachbarten Grundstück Nr. 94 eine Wohnung zur Verfügung.


Ereignisse Herbst 1848
  • 6. 10.: Ein Grenadierbataillon, zum Einsatz gegen die aufständischen Magyaren bestimmt, wird von Revolutionären am Abmarsch aus Wien gehindert. Die 2. Phase der Revolution beginnt.
  • Kriegsminister Graf Latour wird gelyncht.
  • Der Hof begibt sich nach Olmütz, der Reichstag wird nach Kremsier verlegt.
  • 26. 10.: Kaiserliche Truppen unter Windischgrätz sowie  kroatische Verbände unter Jellacic beginnen mit dem Angriff auf Wien.
  • 31. 10.: Kapitulation der Aufständischen unter dem Stadtkommandanten, dem Literaten Wenzel Messenhauser.
  • 27. 11.: Schwarzenberg stellt mit einem Lippenbekenntnis zur konstitutionellen Monarchie seine gemäßigt-konservative Regierung vor.
  • 2. 12.: Kaiser Franz Joseph besteigt den Thron.
  • August 1849: Nach Niederlagen gegen Jellacic und gegen russische Truppen kapituliert Ungarn.


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