EDUARD VON BAUERNFELD
BIOGRAPHIE
Eduard von Bauernfeld
(1802 - 1890; Pseudonym: Rusticocampus) wurde in Wien geboren, in der Stadt, die er bis zu
seinem Tod nicht verlassen hat. Er erhielt das Ehrendoktorat der Universität Wien, wurde
Ehrenbürger der Stadt und erhielt von seinen Gönnern, der Bankiersfamilie Wertheimstein,
eine Wohnung neben ihrer Villa, Döblinger Hauptstraße 96, dem heutigen Bezirksmuseum
Döbling, zur Verfügung gestellt.
Bauernfeld gilt lange Zeit als Hausautor des Burgtheaters und schreibt - anfänglich unter
dem Einfluß Kotzebues - v. a. Konversations- und Salonstücke, die
im natürlich fließenden Konversationston bereits stark auf Schnitzler verweisen. In den
Dialogen dieser Dramen konnten Adel und Großbürgertum sich selbst in den Gesprächen
erkennen. Neben Anspielungen auf Alltagsgespräche enthielten die Salon-Lustspiele
Bauernfelds auch - durchaus der Realität entsprechend - die Besprechung politischer
Tagesereignisse, die v. a. deswegen von Bedeutung war, da in Ermangelung unabhängiger
Tageszeitungen das Gespräch die einzige Möglichkeit darstellte, diese Themen innerhalb
größerer Kreise zu transportieren. Bauernfeld nützte diese Gelegenheit zu politischen
Anspielungen in immer stärkerem Ausmaß, die Grenzen der Freiheit immer mehr erweiternd.
In "Großjährig" (1846) macht sich der Autor in angesichts der Zensur
verblüffender Art und Weise über das System Metternichs lustig, wobei die allgemeine
Abneigung gegen den Staatsmann ihm in Hinblick auf die Zensur zu Hilfe kam - ebenso wie
die Tatsache, daß er nach dem Motto "Liberal, aber nicht mit den Liberalen!"
auch die Opposition nicht verschonte. Besonders aber war es die Feindschaft zwischen
Metternich und Graf Kolowrat, wie Metternich Mitglied des Staatsrates, die es Bauernfeld
ermöglichte, daß so manches Werk am Burgtheater aufgeführt werden durfte, da sich
Kolowrat gerade dann persönlich dafür einsetzte, wenn Metternich in einem Stück
lächerlich gemacht wurde.
Bauernfeld und die Zensur
Freimütige Äußerungen in Literatenkreisen im "Goldenen Stern" auf der
Brandstätte sowie im Neuner´schen Kaffeehaus hatten bereits 1834 eine Vorladung
Bauernfelds zur Polizei zur Folge. In den Jahren danach kritisiert er auf satirische Art
und Weise in seinen am Burgtheater aufgeführten Lustspielen "Bürgerlich und
romantisch" oder "Der literarische Salon" die konservativen Kritiker Saphir und Bäuerle. Die 40er Jahre bringen eine
ausschließliche Hinwendung zu politischen Themen, die sowohl in den Theaterstücken als
auch in der Lyrik verarbeitet werden. Durch Bäuerle ist etwa eine öffentliche Lesung der
"Reichsversammlung der Tiere", einer Vorstufe der "Republik der
Tiere", bekannt.
Einen ersten Höhepunkt erreicht die politisch agitatorische Tätigkeit Bauernfelds mit
der Uraufführung des Lustspiels "Großjährig" am 16. November 1846, zumal
dieses Stück - im Gegensatz zur "Republik der Tiere" - zu Zensurzeiten
veröffentlicht und am Hofburgtheater aufgeführt wurde. Die "Republik der
Tiere" erschien 1848 zwischen der Frühjahrs- und der Herbstrevolution, also in einer
zensurfreien Zwischenphase.