DAS ROLLENBILD DER FRAU
IM 19. JHDT.
Brockhaus-Zitate
EMANCIPATION "Emancipation der Frauen ward von denen gefordert, welche in den Schranken, mit denen Naturverhältnisse, Sitte und gesellschaftliche Einrichtungen das weibliche Geschlecht umgeben, ein Unrecht sehen und diese weggeschafft wissen wollen. Emancipierte Weiber sind demnach solche, die in ihrem Denken, Empfinden und Handeln jene Schranken nicht mehr achten." Brockhaus 1852 |
Die Aussagen der Brockhaus - Zitate sind
nicht nur typisch für das 19. und beginnende 20. Jahrhundert. Sie reichen in ihrem Kern
weit in das Mittelalter zurück und werden - grundsätzlich - auch im fortschrittlichen
Zeitalter der Aufklärung keiner Änderung unterzogen. Die einzige Veränderung bezieht
sich auf den Teilbereich der Sexualität. Seit dem Mittelalter sprach man von der
vermeintlichen unersättlichen Begierde der Frau. Das 18. Jahrhundert spricht ihr zwar
weiterhin die Attribute "Sexualität" und "Begierde" zu,
"domestiziert" sie allerdings gleichzeitig: Sexualität wurde nun als
zerstörerisches Element empfunden und daher aus dem gesellschaftlichen Leben (offiziell)
verbannt. Auf Kosten einer Doppelmoral sowie einer sich in psychosomatischen Krankheiten
und Hysterien äußernden Fehlentwicklung wird die sexuell-moralische Reinheit der
Familie propagiert.
Sogar die Begründer und Entwickler der Aufklärung des 18. Jahrhunderts schlossen die
Frauen weitgehend aus der Öffentlichkeit aus, obwohl sie grundsätzlich das Menschenrecht
der Gleichberechtigung forderten! Die Befürworter der Selbstbesinnung auf die Ratio
begründeten ihre Entscheidung mit der Behauptung, Frauen seien den Männern gerade im
Bereich der Vernunft und im ethischen Urteilsvermögen unterlegen, eine Tendenz, die noch
zur Jahrhundertwende von nur wenigen Männern durchbrochen wurde. Als eines der ganz
wenigen Beispiele könnte Theodor Herzl angeführt werden, der für seinen Judenstaat die
Gleichberechtigung von Mann und Frau forderte. Dem Durchschnittsmann sprachen hingegen der
Leipziger Arzt Dr. Möbius mit seinem Werk "Über den physiologischen Schwachsinn des
Weibes" sowie der Münchner Anatom Prof. Bischoff, der Frauen aufgrund ihres
geringeren Gehirnvolumens zum Studium völlig ungeeignet betrachtete, aus der Seele.
Eine kleine Auswahl soll die Diskriminierung weiblicher Ratio und Intellektualität
belegen. Voltaire etwa lobte seine Lebensgefährtin Emilie du Chatelet, eine der
gelehrtesten Frauen ihrer Zeit, indem er meinte "... solche Äußerlichkeit paßte
nicht zu ihrem Charakter, der männlich und geradlinig war." Rousseau urteilte
besonders drastisch: "Eine schöngeistige Frau ist die Geißel ihres Mannes, ihrer
Kinder, ihrer Freunde, ihrer Diener, aller Welt."
Auf der anderen Seite wurde die Häuslichkeit zum Thema zahlreicher Theaterstücke und der
Malerei. Auch in diesem Bereich ist es Rousseau, der in "Emile" den Zeitgeist
zum Ausdruck bringt: "... In einer lebendigen und angeregten Familie ist die Pflege
der Häuslichkeit die liebste Beschäftigung der Frau." Kleist übertrifft ihn
jedoch, wenn er kurz und bündig feststellt: "Der Mann ist nicht bloß der Mann
seiner Frau, er ist auch Bürger des Staates; die Frau hingegen ist nichts als die Frau
ihres Mannes."
Als zentrale Gestalt patriarchalischen Denkens könnte die Hauptfigur aus Samuel
Richardsons Roman "Pamela" gewertet werden. Sie stellt das aus männlichen
Wünschen entstandene Frauenideal dar: eine arme, doch blühende, tugendhafte Frau,
unverdorben und - untertänig. Pamela wird zu einer für diese Zeit typischen Heldenfigur
und zum Vorbild für Bühnen- oder Romanfiguren wie Emilia, Luise und Charlotte.
Gerade die österreichische Literatur des Zeitalters der Aufklärung bietet eine Fülle
von Beispielen, etwa Papageno in der "Zauberflöte", der in seiner geradezu
perversen Anspruchslosigkeit an das weibliche Geschlecht nur eine wesentliche Forderung
stellt: die Untertänigkeit ("O so ein sanftes Täubchen / Wär Seligkeit für
mich!"), die wiederum Pamina demonstriert, wenn sie Tamino auf seiner ihm befohlenen
Reise durch die Naturgewalten "folgt". Eine Parallele dazu liefert van Swieten
im Duett Adam - Eva in Haydns "Schöpfung":
Adam: "Komm, folge mir, ich leite dich."
Eva: "O du, für den ich ward,
Mein Schirm, mein Schild, mein All!
Dein Will´ ist mir Gesetz.
So hat´s der Herr bestimmt,
Und dir gehorchen bringt
Mir Freude, Glück und Ruhm."