PROJEKT 1
DIE FOLGEN DES KOLONIALISMUS AM BEISPIEL MALAYSIAS
Ida Pfeiffer / Texte
Ida Pfeiffer besitzt zwar keine wissenschaftlichen Vorkenntnisse,
beschreibt jedoch mit Hilfe ihrer Allgemeinbildung sowie einer am gesunden Hausverstand
geschulten Beobachtungsgabe botanische, zoologische, kulturelle und
gesellschaftspolitische Sachverhalte - selbstverständlich aus der Warte eine
bürgerlichen Frau der Biedermeierzeit, die auch gewisse Vorurteile - trotz ihrer eigenen
Emanzipation - selten ablegen kann und sich fallweise zu rassistischen Bemerkungen
hinreißen läßt.
Die ersten beiden Texte spielen auf die "Chinesenproblematik"
an, ein bis heute bestehendes Erbe der Kolonialzeit, das u. a. auch zur Abtrennung
Singapurs von Malaysia geführt hat. Der zweite Text bezieht sich auf das Opiummonopol,
das besonders der britischen Kolonialmacht gewaltige Gewinne verschafft hat - eine
besondere Form der wirtschaftlichen Ausbeutung der Kolonien. Formen der Ausbeutung im
landwirtschaftlichen Bereich werden von der Autorin ebenfalls akribisch genau verzeichnet.
Sie können im Band "Abenteuer Inselwelt" besonders auf folgenden Seiten
nachgelesen werden:
| Zucht der Cochenille-Laus zur Erzeugung von Farbstoffen | 108/109 |
| Tee | 115 |
| Kaffee | 116 |
| Kampfer | 175 |
| Salz | 189/190 |
| Muskat (Insel Banda) | 212/213 |
| Gewürznelken (Insel Ambon) und Muskat | 214-217 |
Der Text über die Teepflanzungen sowie die Ausbeutung der
einheimischen Arbeitskräfte findet sich als weiteres Beispiel auf dieser
Webseite.
Abenteuer Inselwelt. Die Reise durch Borneo, Sumatra und Java. Wien: Promedia, 1993 Seite 86 |
Opium Ein anderes Übel, in seinen Folgen ungleich größer, da es nicht einzelne Stämme oder Personen, sondern ganze Völker betrifft, ist der Gebrauch des Opiums. Gegen diesen wird jedoch nicht gearbeitet; im Gegenteil, die Regierung selbst wendet alle Mittel an, ihn zu verbreiten. Es ist wirklich sonderbar, daß die europäischen Regierungen einerseits Kolonien gründen, Länder unterjochen, um, wie sie sagen, die Zivilisation, das Christentum zu verbreiten, und andererseits ihre neuen Untertanen in Lastern, die den Grundsätzen der christlichen Religion, den Fortschritten der Zivilisation gerade entgegenarbeiten, unterstützen Warum wirken sie nicht gegen den Gebrauch des Opiums, an dem sich Tausende, ja Millionen krank und sinnlos rauchen? -Warum? - Weil der Opiumbau (in Indien) der Engländer größter Reichtum ist - weil der Opiumpacht den anderen Regierungen die größten Einkünfte schafft. Wie soll man den letzten Krieg nennen, den die Engländer dem chinesischen Kaiser erklärten, der seine Untertanen vor diesem Gift bewahren und die Einfuhr des Opiums verbieten wollte? Wie können wir von den unkultivierten Völkern Achtung verlangen für unsere Religion, für unsere Zivilisation, wenn sie sehen, daß diese wie jene uns, an den habgierigsten, schändlichsten Handlungen nicht verhindern? |
Abenteuer Inselwelt. Die Reise durch Borneo, Sumatra und Java. Wien: Promedia, 1993 Seite 115 |
Teepflanzungen Die Teepflanzung ist sehr ausgebreitet und erstreckt sich über viele Hügel und Abhänge. Man sagte mir, daß der gegenwärtige Pächter, Herr Brumsteede, über eine Million Sträuche besäße. Tee und Kaffee gedeihen am besten auf hügeligem Grund. Die Teestauden sind hier niedriger gehalten, als ich sie in der Gegend von Canton gesehen habe; sie mochten zwischen zwei und drei Fuß haben. Man rechnet zehn Stauden auf ein Pfund Tee. Die Bereitung des Tees ist sehr vereinfacht und wird mit viel weniger Menschenhänden verrichtet als in den chinesischen Fabriken. Anstatt wie dort jedes Blatt des grünen Tees einzeln zu rollen, nimmt man eine ganze Menge Blätter zusammen, knetet sie leicht durcheinander und läßt sie auf Kupferplatten durch gelinde Feuerhitze trocknen, wodurch sie von selbst auseinanderfallen, aber freilich nicht so schön und gleichmäßig werden wie die gerollten. Die Teepflanzungen sind auf Java gleich den Zucker- und Kaffeepflanzungen Eigentum der Regierung und werden gewöhnlich auf fünfzehn bis zwanzig Jahre verpachtet. Die Regierung gibt den Pächtern Grund und Boden oder bereits angelegte Pflanzungen (eine Pflanzung erhält sich gegen achtzig Jahre) und sichert ihnen die gehörige Anzahl Arbeiter zu festgesetzten Preisen zu. Der Arbeitslohn ist in dieser, wie in allen von Batavia entfernter gelegenen Residentschaften, außerordentlich billig: Ein Taglöhner bekommt per Tag zehn Deut nebst einem Pfund Reis. Letzteres hat hier den Wert von zwei Deut. Zum Pflücken des Tees, was die meiste Arbeit macht, werden gewöhnlich Weiber und Kinder verwendet, die natürlich noch billiger sind. Der Pächter erhält von der Regierung per Pfund 75 Deut; man rechnet seinen Gewinn auf hundert Prozent. |
Diese Texte bieten sich - neben zahlreichen anderen - als Ansatzpunkte für das Projekt
an. Sie sind zu analysieren und mit Aufsätzen aus dem Internet zu verknüpfen. Aus einer
Fülle von Materialien sollen einige wenige Webseiten, die sich u. a. mit den von Ida
Pfeiffer bereisten Gebieten auseinandersetzen, herausgegriffen werden.
Selbstverständlich ist es auch im internetgestützten Unterricht sinnvoll,
gedruckte Sekundärliteratur, die von den Schülern zu suchen ist, einzusetzen.
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