POINTILLISMUS IN DER LITERATUR


Der Pointillismus (frz. pointiller: mit Punkten darstellen) - auch Nachimpressionismus genannt - ist die Bezeichnung für eine ab etwa 1883 aus dem Impressionismus entwickelte Maltechnik. Farbe wird nicht als Fläche, sondern als System rasterartig gesetzter Punkte und Striche auf die Leinwand aufgetragen. Erst das Auge des Betrachters "mischt" die Farben und setzt sie zu Flächen und Gegenständen zusammen. Als Hauptvertreter gelten Georges Seurat und Paul Signac.

Die Technik der Pointillisten kann an dem folgenden Werk studiert werden...

Signac, Blick auf St. Tropez


Der literarische Impressionismus, allen voran Peter Altenberg, verwendet häufig Adjektive und -  im Zusammenhang mit der Wiedergabe von Naturstimmungen - punktartig Farbangaben (Vgl. Altenberg, Am Lande: "Die Wiesen waren lila getupft mit Herbstzeitlosen.") Man verwendete reine Farben, aber auch - oft extreme -   farbliche Differenzierungen (z. B. "dunkelgraurot").

Die Punkttechnik findet ihre Fortsetzung  in der Wahl der Motive. Teile stehen häufig für das Ganze. Stimmungen werden durch Details vermittelt: "... Die Japaner malen einen Blütenzweig, und es ist der ganze Frühling. Bei uns malen sie den ganzen Frühling, und es ist kaum ein Blütenzweig."  (Altenberg, "Der Besuch")  Jedenfalls ist es immer wieder die Natur, die zum Gegenstand impressionistischen Gestaltens wird: "Die größte Künstlerin ist vor allem die Natur", schreibt Altenberg im Vorwort zur ersten Nummer der Zeitschrift "Kunst", "und mit einem Kodak in einer wirklich menschlich-zärtlichen Hand erwirbt man mühelos ihre Schätze. Sehet euch die Birken an, die Pappelbäume, zur Winters- und zur Sommerszeit, die Hausgärten voll Schnee und strohumhüllten Rosenstöcken. ..."

Schließlich wird die  Natur - ähnlich der Malerei (Monet) - auch "zeitpunktartig" zu erfassen versucht. So beschreibt Altenberg in der Prosaskizze "Am Lande" das sich in der Abendstimmung verändernde Höllengebirge in kurzen Stimmungsbildern um 5, 6, 1/2 7, 7, 1/2 8 und 8 Uhr ...

 

TEXTANALYSE
Altenberg, "Sonnenuntergang im Prater"