Eine wesentliche Voraussetzung für die Entstehung des
Impressionismus stellen die gesellschaftlichen und städtebaulichen
Veränderungen der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts dar. Zweckgroßbauten
wie Fabriken, Kaufhäuser oder Bahnhöfe sowie technische Prestigobjekte wie der
Eiffelturm in Paris oder das Riesenrad und die Rotunde, Europas größter Hallenbau der
Jahrhundertwende, in Wien prägen das Erscheinungsbild der Städte. Industrialisierung und
Trennung von Arbeitszeit und Freizeit prägen das Leben der Menschen. All das wird zum
Thema der Bildenden Kunst, sei es Monets Darstellung des Bahnhofs Saint-Lazare oder sein
"Eisenbahnzug im Schnee" oder seien es die zahlreichen, von den verschiedensten
Impressionisten gestalteten Szenen aus dem Freizeitbereich: Theater, Wochenendausflüge,
Strandaufenthalte, Sportveranstaltungen, Landschaften (Stimmungsbilder), Gärten ...
Daß die Technik der Darstellung der Technik der neuen Zeit adäquat war, war
nur natürlich. Denn gerade in der Epoche des Impressionismus war die Photographie
so weit entwickelt worden, daß feine Nuancen wiedergegeben werden konnten. 1882
ermöglichte die Erfindung des Schlitzverschlusses die erste Momentaufnahme. Schließlich
ist es kein Zufall, daß die erste Ausstellung impressionistischer Künstler im Atelier
des bedeutenden französischen Fotografen Nadar stattfand.
Die impressionistischen Maler zogen es vor, statt im Atelier in
der freien Natur zu malen. Edouard Manet stellte seinen Freund Monet in einem Boot auf der
Seine vor seiner Staffelei sitzend dar und nannte das Bild treffenderweise "Claude
Monet in seinem Atelier". Das Ziel der Künstler war es, den persönlichen Eindruck
des Augenblicks festzuhalten, was die Konzentration auf Lichtwirkungen und
Schatten, die erstmals auch in ihrer Farbigkeit erkannt wurden, zur Folge hatte. Diese
Konzentration führte dazu, daß die Impressionisten die Primärfarben Rot, Gelb und Blau
sowie deren Komplementärfarben nebeneinander setzten und die Umrisse gezielt verwischten,
so daß sich der Bildeindruck erst bei angemessener Betrachtungsentfernung ergab.
Vorbilder der Impressionisten des ausgehenden 19. Jahrhunderts waren Vermeer
(17. Jhdt.), Velazquez (18. Jhdt.) und Goya (19. Jhdt.),
die englischen Landschaftsmaler Constable und Turner
sowie die Freilichtmalerschule von Barbizon. Camille Corot hatte bereits
30 Jahre vor den Impressionisten die Lichtwirkung zu verschiedenen Tageszeiten
festgehalten.
Manets Bild "Frühstück im Freien" bezeichnet den Beginn einer neuen Ära. Es
wurde 1863 im Salon des Refuses ausgestellt. 1874 organisierten 30 impressionistische
Künstler ihre erste unabhängige Ausstellung. Der Begriff "Impressionismus"
(frz. impression: Eindruck) wurde zum erstenmal allerdings in abfälliger
Weise von einem frz. Kunstkritiker in Hinblick auf Monets Gemälde "Soleil
levant" (1872) verwendet. Bei der 3. Impressionistenausstellung 1877 übernahmen die
Künstler offiziell den Begriff.
Zu den bedeutendsten Impressionisten gehörten Edgar Degas, Claude Monet, Camille
Pissarro, Pierre Auguste Renoir und Alfred Sisley sowie die Deutschen Max Slevogt oder Max
Liebermann. Als Weiterentwicklung ist der von Paul Signac und Georges Seurat begründete Pointillismus
zu sehen. Weitere Entwicklungsstränge führen indirekt - zum Expressionismus und
zum Kubismus.