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Stationen: Grabenkiosk - Autofahrt - Krieau - Autofahrt -
Naturerlebnis (Höhepunkt) - Autofahrt - Grabenkiosk
Die Fadesse der Grabenkiosk-Stimmung bringt Altenberg durch das Fehlen
von Farbangaben ("Farblosigkeit") zum Ausdruck.
Autofahrt und Aufenthalt in der Krieau werden durch 2 Farbtupfer (rot,
gelb) aufgelockert, stellen daher bereits eine Steigerung auf dem Weg zum Höhepunkt, dem
Naturerlebnis, dar.
In der Schilderung des gewaltigen Sonnenuntergangs (rot) im Gegensatz zu den gewaltigen
Industriebauten (schwarz) greift Altenberg zu differenzierten Farbangaben
(zusammengesetzte Adjektive: bleigrau, dunkelrot, himbeerfarbig, dunkelgraurot)
Die Prosaskizze lebt von Kontrasten:
Innenstadt - Natur (Farblosigkeit - Farbe), Sonnenuntergang - Industriebauten (rot -
schwarz), Naturereignis (Sonnenuntergang) - Landschaft (gewaltig - zart, kräftige Farben
- zarte Farben) |
Sie waren stundenlang im Grabenkiosk gesessen,
letzter Augusttag, hatten Fiaker betrachtet mit Fremden, Automobile, wie Zugvögel von
fernen Reisen, Damen auf dem Trottoire, die wunderbar sicher dahinglitten, und andere, die
trippelten und tänzelten, um etwas Besonderes aus sich zu machen.
In dem Kiosk saß eine Französin, die man nur mit den Augen grüßte. Und ein süßes,
junges Geschöpf mit seiner »Tante«, das man auch nur mit den Augen begrüßte. Und
fremde Damen mit Schleierhüten, die man überhaupt nicht grüßte. Und einige Männer,
die schon vom Urlaube zurückgekehrt waren. Alle diese Menschen kamen sich ein bißchen
deklassiert vor, daß man sie im Grabenkiosk ertappte in der Haute-Saison, während die
anderen noch in Ostende oder Biarritz - - -.
Die
beiden Freunde machten trotz alledem einige wichtige Beobachtungen, sammelten einige
seltene Exemplare von Menschlein für ihre innerliche Käfersammlung, spießten sie auf,
teilten sie ein in allgemeinere Klassen. Um sechs Uhr kam das rote Automobil, Mercedes
18-24, entführte sie in die Krieau. Dort war ganz staubfreie Landluft und Stille. Ein
Herr in schwarzem Anzug und schneeweißen Handschuhen bestieg ein Pferd. Ein Fiaker
brachte eine Tänzerin (die Hofoper war bereits geöffnet), ein graues Automobil kam an,
dumpf, Bariton singend, also über 30 HP. Das Gärtchen war voll gelber Blumen, die wie
kleine Sonnenblumen aussahen, und die Kaninchen im Käfig stellten die Ohren
unregelmäßig schief. Die beiden Freunde rauchten Prinzesas und glotzten auf die zumeist
leeren weißen Tische und Bänke. Im Vorfrühling, im Herbste entwickelt sich hier ein
Leben und »Treiben«. Aber man hatte den 3l. August!
Infolgedessen fuhren die beiden Freunde weiter zum Winterhafen.
Donau, kleines Bahngeleise, große Lederfabrik, holperiges Granitpflaster, gut genug für
Schneckengang gehende breiträderige Lastwagen! Das Automobil aber sprang, galoppierte,
hüpfte, war wie deklassiert auf dieser gepflasterten Lastenstraße. Links war der
Winterhafen, rechts ein erhöhtes Plateau aus Donausand und Donaukieselsteinen errichtet,
bespickt mit jungen Birken.
Da
hatte man einen Rundblick auf bleigraue Hügel, schwarze Fabrikschornsteine und
die Glut des Sonnenunterganges. Man sah das düstere Pulvermagazin, den Laaerberg, den
Zentralfriedhof, den Kahlenberg - - -. Wie in grauem, flüssigem Blei des Himmels und der
Erde wogte die dunkelrote Glut der Sonnenuntergangsstreifen. Die Lederfabrik war wie ein
schwarzes Ungeheuer, und drei riesige Schornsteine sandten schwarzen Rauch in die Glut,
wie schmale Dampfspritzen, die ungeheure Brände löschen möchten!
Die dünnen, zarten Birken auf dem Donauschütte bebten im Abendwind, und die beiden
Freunde suchten schöne, glatte, hellbraune Kieselsteine aus als Andenken an den
friedvollen Abend. Auf der Landstraße wartete das rote Automobil, Mercedes 18-24, das ein
kleiner Landstraßen-Orientexpreßzug werden konnte bei Schnelligkeit vier.
Die
rote Glut im Blei des Himmels wurde himbeerfarbig, dann dunkelgraurot. Die beiden Freunde
sagten: »Nun gibt es nichts mehr zu schauen. Das Stück ist zu Ende.« Sie bestiegen
daher das rote Automobil und sagten zu dem Chauffeur: »Geschwindigkeit vier, bitte - -
-«
Sie rasten in den Grabenkiosk zurück.
Dort saß noch die Französin, die man nur mit den Augen begrüßen durfte.
Aber in dieser Stunde durfte man bereits zu ihr sagen: »Guten Abend ---«
Und die beiden Herren sagten höflich: »Bon soir - - -« |