Parallel zum Ordensdrama bestand die weltliche Form des barocken
Welttheaters, die sich v. a. im Bereich der Oper manifestierte und am Kaiserhof und an
reichen Fürstenhöfen Fuß fassen konnte. Die Bühnenbilder glichen monumentalen
architektonischen Wunderwerken, die - gemeinsam mit den Kostümen - einen hohen
finanziellen Aufwand erforderten. Geprägt wurde das barocke Welttheater durch
Theaterarchitekten, zu deren bekanntesten Vertretern Ludovico Burnacini und Giuseppe Galli
- Bibiena gehörten.
Neben den Monumentalinszenierungen sind zwei weitere Bühnenformen zu nennen:
1. Die Gartenbühne ist eine durch Hecken gestaltete Bühnenform in den
französischen Gärten von Schlössern, die zumeist für Liebhabertheater Verwendung fand.
2. Die Guckkastenbühne setzte sich in der Barockzeit durch und besteht
als gängige Form (Bühnenportal, Proszenium, Vorhänge etc.) bis heute.
Ludovico Ottavio Burnacini
(1636 - 1707)
An der Person Burnacinis, seit 1652 in kaiserlichen Diensten, läßt sich sehr deutlich
das wesentlichste Merkmal der Bühnenbildner der Barockzeit erkennen: sie waren
ausgebildete Architekten und entwarfen gewissermaßen nebenberuflich Bühnenbilder sowie
die Ausstattung von Festopern für den Hof.
Burnacini erbaute im Auftrag Kaiser Leopolds I. in Wien u. a. die Dreifaltigkeitssäule
am Graben, gestaltete Teile der Hofburg und errichtete von 1665 - 1668 das erste Opernhaus
der Residenz, das jedoch nur selten bespielt und 1683 wegen der Brandgefahr im Zuge der
Türkenbelagerung wieder abgerissen wurde.
Für die Eröffnung des Opernhauses war die Oper "Il pomo d´oro"
von Marco Antonio Cesti vorgesehen. Anlaß dazu waren die
Vermählungsfeierlichkeiten Kaiser Leopolds I. mit der spanischen Infantin Margareta 1666.
Da das Gebäude zu diesem Zeitpunkt noch nicht fertiggestellt war, ließ die Eröffnung
bis 1668 auf sich warten. Die Inszenierung durch Burnacini gilt als einer der Höhepunkte
des europäischen Barocktheaters. Das Theaterschaffen des Künstlers umfaßt 115
Inszenierungen, für die er Dekorationen, Kostüme und Bühnenmaschinerien entwarf.
| Ludovico Burnacini Burnacini / http://www.aeiou.at/aeiou.encyclop.b/b978813.htm Kurzbiographie im Österreich-Lexikon AEIOU |
Giuseppe Galli - Bibiena (1696
- 1757)
Galli-Bibiena - er stammte aus einer Architektenfamilie - kam 1712 nach Wien. Als
Höhepunkt seines Schaffens in der Residenzstadt gilt die Ausstattung der Oper
"Angelica Vincitrice di Alcina" von Pietro Pariatis. Die Musik komponierte Johann
Joseph Fux aus Anlaß der Geburt des allerdings früh verstorbenen Thronfolgers
Erzherzog Leopold. Sie wurde auf dem Teich des Lustschlosses Favorita,
das sich an der Stelle des heutigen Theresianums befand, aufgeführt.
| Theater im
Lustschloß Favorita An diesem Ort kam es des öfteren zu Aufführungen. Der Historiker Lembert berichtet in seiner "Historischen Skizze der k. k. Hoftheater in Wien" im Jahre 1833, rund 100 Jahre später: "Im Sommer wurden im kaiserlichen Lustschlosse Favorite auf der Wieden (das heutige Theresianum) Vorstellungen gegeben. Die Bühne befand sich über einem großen Wasserbassin und war von außerordentlichem Umfange. Wenn das Theater einen Garten, eine malerische Gegend und dergleichen vorstellte, so ward das Wasser des Bassins zu natürlichen Fontainen, Quellen und Cascaden benützt; man konnte sogar mittelst einer künstlichen Vorrichtung das Podium der Bühne öffnen und auf dem großen Wasserspiegel des Bassins Wasserfahrten, Schiffbrüche und Seetreffen täuschend vorstellen. Bey einer ähnlichen Gelegenheit geschah es einst, daß ein Schiff wirklich verunglückte und eine der ersten Sängerinnen ihr Leben einbüßte." Favorita (+ Link zum heutigen Theresianum) / http://www.aeiou.at/aeiou.encyclop.f/f128312.htm |
| Ein Brief der
Lady Mary Montagu (1716) Über die Aufführung der Oper "Angelica Vincitrice die Alcina" schrieb Lady Mary Montagu, die Gattin des englischen Botschafters, in einem Brief an Alexander Pope am 24. September 1716: ...,obwohl ich mich von der Zucht der englischen Kirche so weit entfernt habe,daß ich letzten Sonntag in der Oper war, die im Garten der Favorita aufgeführt wurde und die mir so sehr gefallen hat, daß ich es noch nicht bereut habe,sie gesehen zu haben. Nichts dieser Art war jemals prächtiger, und ich kann leicht glauben, was man mir sagte, nämlich, daß die Dekorationen und die Kostüme den Kaiser 30.000 Sterling kosten. Die Bühne war über einen sehr breiten Kanal gebaut und am Beginn des zweiten Aktes in zwei Teile geteilt, so daß man das Wasser entdecken konnte,auf welchem sofort zwei Flotten mit goldenen Schiffen von verschiedenen Seiten erschienen, die eine Seeschlacht aufführten. Es ist nicht leicht, sich die Schönheit dieser Szene vorzustellen, die ich besonders aufmerksam betrachtete, doch auch alles übrige war vollendet schön in seiner Art. Die Handlung der Oper ist die Verzauberung der Alcina, die Gelegenheit für den Einsatz zahlreicher Maschinen und Szenenwechsel gibt, die mit überraschender Geschwindigkeit vollzogen werden. Das Theater ist so groß, daß es dem Auge schwerfällt, sein Ende zu erkennen und die Kostüme, 108 an der Zahl, von äußerster Pracht. Kein Haus könnte so große Dekorationen fassen, aber die Damen, die alle in freier Luft sitzen, sind dadurch großen Unbequemlichkeiten ausgesetzt, denn es gibt nur einen einzigen Baldachin für die kaiserliche Familie, und als am Abend der ersten Aufführung ein Platzregen niederging, wurde die Oper unterbrochen, und die Gesellschaft flüchtete in solcher Verwirrung, daß ich fast zu Tode gequetscht wurde. Johann Joseph Fuchs, "Angelica Vincitrice di Alcina" / http://www.aeiou.at/aeiou.music.7.3/070301.htm |