BLAUBART TITEL H. C. Artmann

Brüder Grimm

Friedrich

Alternative 1

Alternative 2


ARTMANN

i bin a ringlschbüübsizza
und hob scho sim weiwa daschlong
und eanare gebeina
untan schlofzimabon fagrom . .

heit lod i ma r ei di ochte
zu einen liebesdraum --
daun schdöl i owa s oaschestrion ei
und bek s me n hakal zaum!

so fafoa r e med ole maln
wäu ma d easchde en gschdis hod gem --
das s mii amoe darwischn wean
doss wiad kar mendsch darlem!

i bin a ringlschbüübsizza
(und schlof en da nocht nua bein liacht
wäu i mi waun s so finzta is
voa de dodn weiwa fiacht . .)

Hans Carl Artmann, 1958
© "med ana schwoazzn dintn", Otto-Müller-Verlag, Salzburg, S. 17


BRÜDER GRIMM

In einem Walde lebte ein Mann, der hatte drei Söhne und eine schöne Tochter.
Einmal kam ein goldener Wagen mit sechs Pferden und einer Menge Bedienten angefahren, hielt vor dem Haus still, und ein König stieg aus und bat den Mann, er möchte ihm seine Tochter zur Gemahlin geben. Der Mann war froh, dass seiner Tochter ein solches Glück widerfuhr, und sagte gleich ja; es war auch an dem Freier gar nichts auszusetzen, als dass er einen ganz blauen Bart hatte, so dass man einen kleinen Schrecken kriegte, so oft man ihn ansah.
Das Mädchen erschrak auch anfangs davor und scheute sich, ihn zu heiraten, aber auf Zureden ihres Vaters willigte es endlich ein. Doch weil es so eine Angst fühlte, ging es erst zu seinen drei Brüdern, nahm sie allein und sagte: "Liebe Brüder, wenn ihr mich schreien hört, wo ihr auch seid, so lasst alles stehen und liegen und kommt mir zu Hülfe." Das versprachen ihm die Brüder und küssten es. "Leb wohl, liebe Schwester, wenn wir deine Stimme hören, springen wir auf unsere Pferde und sind bald bei dir." Darauf setzte es sich in den Wagen zu dem Blaubart und fuhr mit ihm fort.

Wie es in sein Schloss kam, war alles prächtig, und was die Königin nur wünschte, das geschah, und sie wären recht glücklich gewesen, wenn sie sich nur an den blauen Bart des Königs hätte gewöhnen können, aber immer, wenn sie den sah, erschrak sie innerlich davor.
Nachdem das einige Zeit gewährt, sprach er "Ich muss eine große Reise machen, da hast du die Schlüssel zu dem ganzen Schloss, du kannst überall aufschließen und alles besehen, nur die Kammer, wozu dieser kleine goldene Schlüssel gehört, verbiet ich dir; schließt du die auf, so ist dein Leben verfallen." Sie nahm die Schlüssel, versprach ihm zu gehorchen, und als er fort war, schloss sie nacheinander die Türen auf, und sah so viel Reichtümer und Herrlichkeiten, dass sie meinte, aus der ganzen Welt wären sie hier zusammengebracht. Es war nun nichts mehr übrig als die verbotene Kammer, der Schlüssel war von Gold, da gedachte sie, in dieser ist vielleicht das Allerkostbarste verschlossen; die Neugierde fing an, sie zu plagen, und sie hätte lieber all das andere nicht gesehen, wenn sie nur gewusst, was in dieser wäre. Eine Zeitlang widerstand sie der Begierde, zuletzt aber ward diese so mächtig, daß sie den Schlüssel nahm und zu der Kammer hinging "Wer wird es sehen, dass ich sie öffne", sagte sie zu sich selbst, "ich will auch nur einen Blick hineintun."
Da schloss sie auf, und wie die Türe aufging, schwomm ihr ein Strom Blut entgegen, und an den Wänden herum sah sie tote Weiber hängen, und von einigen waren nur die Gerippe noch übrig. Sie erschrak so heftig, dass sie die Türe gleich wieder zuschlug, aber der Schlüssel sprang dabei heraus und fiel in das Blut. Geschwind hob sie ihn auf und wollte das Blut abwischen, aber es war umsonst, wenn sie es auf der einen Seite abgewischt, kam es auf der andern wieder zum Vorschein; sie setzte sich den ganzen Tag hin und rieb daran und versuchte alles mögliche, aber es half nichts, die Blutflecken waren nicht herabzubringen; endlich am Abend legte sie ihn ins Heu, das sollte in der Nacht das Blut ausziehen.

Am andern Tag kam der Blaubart zurück, und das erste war, dass er die Schlüssel von ihr forderte; ihr Herz schlug, sie brachte die andern und hoffte, er werde es nicht bemerken, dass der goldene fehlte. Er aber zählte sie alle, und wie er fertig war, sagte er "Wo ist der zu der heimlichen Kammer?" Dabei sah er ihr in das Gesicht. Sie ward blutrot und antwortete "Er liegt oben, ich habe ihn verlegt, morgen will ich ihn suchen." "Geh lieber gleich, liebe Frau, ich werde ihn noch heute brauchen." - "Ach ich will dirs nur sagen, ich habe ihn im Heu verloren, da muss ich erst suchen." "Du hast ihn nicht verloren", sagte der Blaubart zornig, "du hast ihn dahin gesteckt, damit die Blutflecken herausziehen sollen, denn du hast mein Gebot übertreten, und bist in der Kammer gewesen, aber jetzt sollst du hinein, wenn du auch nicht willst." Da musste sie den Schlüssel holen, der war noch voller Blutflecken. " Nun bereite dich zum Tode, du sollst noch heute sterben" , sagte der Blaubart, holte sein großes Messer und führte sie auf den Hausern.
"Lass mich nur noch vor meinem Tod mein Gebet tun", sagte sie. "So geh, aber eil dich, denn ich habe keine Zeit lang zu warten." Da lief sie die Treppe hinauf und rief so laut sie konnte zum Fenster hinaus: "Brüder, meine lieben Brüder, kommt, helft mir!"
Die Brüder saßen im Wald beim kühlen Wein, da sprach der jüngste "Mir ist, als hätt ich unserer Schwester Stimme gehört; auf! wir müssen ihr zu Hülfe eilen!" Da sprangen sie auf ihre Pferde und ritten, als wären sie der Sturmwind. Ihre Schwester aber lag in Angst auf den Knien; da rief der Blaubart unten "Nun, bist du bald fertig?" Dabei hörte sie, wie er auf der untersten Stufe sein Messer wetzte; sie sah hinaus, aber sie sah nichts als von Ferne einen Staub, als käm eine Herde gezogen.
Da schrie sie noch einmal "Brüder, meine lieben Brüder! kommt, helft mir!" - Und ihre Angst ward immer größer. Der Blaubart aber rief "Wenn du nicht bald kommst, so hol ich dich, mein Messer ist gewetzt!"
Da sah sie wieder hinaus, und sah ihre drei Brüder durch das Feld reiten, als flögen sie wie Vögel in der Luft, da schrie sie zum drittenmal in der höchsten Not und aus allen Kräften: "Brüder, meine lieben Brüder! kommt, helft mir!"
Und der jüngste war schon so nah, dass sie seine Stimme hörte: "Tröste dich, liebe Schwester, noch einen Augenblick, so sind wir bei dir!"
Der Blaubart aber rief "Nun ist's genug gebetet, ich will nicht länger warten, kommst du nicht, so hol ich dich!"
"Ach! nur noch für meine drei lieben Brüder lass mich beten."
Er hörte aber nicht, kam die Treppe heraufgegangen und zog sie hinunter, und eben hatte er sie an den Haaren gefasst, und wollte ihr das Messer in das Herz stoßen, da schlugen die drei Brüder an die Haustüre, drangen herein und rissen sie ihm aus der Hand, dann zogen sie ihre Säbel und hieben ihn nieder. Da ward er in die Blutkammer aufgehängt zu den andern Weibern, die er getötet, die Brüder aber nahmen ihre liebste Schwester mit nachhaus, und alle Reichtümer des Blaubarts gehörten ihr.

 

TIPP


FRIEDRICH VON PREUSSEN

 

FRIEDRICH, DAS BUCH BLAUBARTFriedrich der Große: Das Buch Blaubart. Eine Satire

"Eure Majestät glauben, daß Ihre Gicht in der rechten Hand eine göttliche Strafe für den sehr amüsanten und sehr aufgeklärten Kommentar über Blaubart sei, da diese Hand so ruchlos war, ihn zu schreiben. Ich nehme mir die Freiheit, Sire, die Priester, Theologen und alle Dummheiten, die sie verbreiten, der linken Hand Eurer Majestät zu empfehlen, solang Ihre rechte außerstande ist, sie zu zerschmettern."

Dieser "très-plaisant et très-philosophique Commentaire", wie der Mathematiker und Enzyklopädist d'Alembert am 27. Dezember 1779 komplimentierend an Friedrich schrieb, ist die letzte antiklerikale Satire Friedrichs II. von Preußen, des Großen. Sie erscheint hier erstmals als Einzelausgabe in deutscher Sprache - und zwar in der ersten deutschen Übersetzung von 1787. Auch der erste Druck von 1779 war eine Einzelausgabe, jedoch in französischer Sprache, in der Friedrich zu sprechen und zu schreiben pflegte. Er hat jenes Bändchen von 60 Seiten damals als Privatdruck in 40 Exemplaren herstellen lassen; gezeigt und geschenkt hat er es nur aufgeklärten Männern seines Hofes oder gleichgesinnten Briefpartnern wie d'Alembert.

Diese Satire zeigt Friedrichs Lust an der Ironie und seine große Begabung zur Stilparodie. Er schrieb sie, um eine bestimmte Art theologischer Kommentare ad absurdum zu führen und so die katholische Kirche zu diskreditieren. Doch Gegenstand seiner parodistischen Exegese ist kein Buch der Bibel, sondern das damals geläufige Kunstmärchen "La Barbe-Bleue" von Charles Perrault. Mit seiner satirischen Fiktion macht Friedrich also umgekehrt die Bücher der Bibel zu Märchen, die keinen Glauben verdienen.

Die Satire "Das Buch Blaubart" zeigt das Denken des aufgeklärten Kirchenkritikers und Religionsspötters, der Friedrich bis zu seinem Lebensende geblieben ist, und sie ist ein Beispiel für jene Seite seines umfangreichen schriftstellerischen Werkes, die im 19. Jahrhundert von der borussophilen und nationalistischen Geschichts- und Literaturgeschichtsschreibung verdrängt worden ist.

Aus: Friedrich der Große: Das Buch Blaubart. Eine Satire. Frankfurt: Insel Verlag, 1987, Seite 7f.

 


Personen:

Ritter Blaubart
Gerlinde von Stolzenstein
Junker Roderich
Trunkenstunk
Knittelknecht
Bluteck

Szenen werden auf Wunsch wiederholt!

Inhalt:

1.Akt: Auf Blaubarts Burg bei einem Gelage
Ritter Blaubart, nunmehr bereits zum sechsten Male Witwer, veranstaltet auf seiner Burg wieder einmal eine seiner berühmt-berüchtigten Sauforgien. Neben mehreren Zechern, Saufbrüdern und sonstigen Adabeis fehlen auch bei diesem Gelage nicht Blaubarts drei treueste Zechkumpane: Trunkenstunk, Bluteck und Kittelknecht.
Die Stimmung geht ihrem Höhepunkt zu, als Bluteck seinen Herrn auffordert, dem offensichtlich unwissenden Saufauditorium einmal zu verraten, welche Bewandtnis es mit der sagenumwobenen Kammer bei Blautbartens Schlafgemach habe. Blaubart - durch die vorherrschende Stimmung entsprechend animiert - ist mit diesem Vorschlag einverstanden und erzählt zum Gaudium seiner Zuhörer, auf welche Weise latente Ehekonflikte mit seinen früheren Gattinnen "bereinigt" wurden. Anhand mumifizierter Leichenteile , die er der geheimnisvollen Kammer entnimmt, kommentiert Blaubart deren jeweilige Schicksale: Da wurde Ehefrau Nummer 1 ob ihrer Redseligkeit geköpft, Nummer 2 dank ihrer apathischen Allüren vergiftet, und nicht besser erging es dem restlichen Damenquartett. Doch das soll Blaubart nicht daran hindern, um eine siebente Gattin zu freien, wozu ihn seine Saufbrüder auch entsprechend ermuntern. Nach Präsentation verschiedenster Vorschläge fällt schließlich die Wahl auf das reiche, weil mit Golddukaten gesegnete Burgfräulein Gerlinde von Stolzenstein. Trunkenstunk und Kittelknecht werden - nachdem beide eindrucksvoll demonstrieren, wie der erforderliche "Aufriß" zu bewerkstelligen wäre - auserkoren, bei Gerlinde die Werbung für Blaubart vorzunehmen.

2.Akt: In der Kemenate des Burgfräuleins von Stolzenstein
Junker Roderich versucht wieder einmal mit einem hingebungsvoll gesungenen Ständchen die Gunst von Gerlinde zu erlangen. Doch all die Liebesmüh ist vergebens. Gerlinde winkt mit dem Hinweis ab, daß als Gatte ausschließlich ein Rittersmann in Frage käme. Darob verfällt Junker Roderich in tiefe Depressionen. In diesem Augenblick begehren Blaubarts Zechkumpane Einlaß. Dabei überreichen sie Gerlinde ein Bildnis, das diese mit Entzücken betrachtet. Trotz eindringlicher Warnungen des Junkers Roderich vereinbart Gerlinde mit den Werbern ein Rendezvous: Treffpunkt mit Blaubart im Burggarten zur mitternächtlichen Stunde. Roderich resigniert, versichert aber Gerlinde, er werde ihr auch in der Stunde der Gefahr beistehen.

Wandlung: 12 Schläge einer nahen Kirchturmuhr verkünden Mitternacht, Zeitpunkt des vereinbarten Tête-à-tête. Der Flirt zwischen Gerlinde und Blaubart bringt den gewünschten Erfolg, Blaubart entführt Gerlinde als seine Braut auf sein Schloß.

3.Akt: Wiederum auf Blaubarts Burg
Zunächst erzählt Trunkenstunk, daß seit der Eheschließung zwischen Blaubart und seiner Gerlinde nunmehr bereits ein Jahr verstrichen ist. Doch aus einem gewissen Grunde hängt der Haussegen in der Familie Blaubart an manchen Tagen schief, so wie jetzt ... Unmittelbar vor Eintreffen der Festgäste zum Hochzeitsjahrestag gibt es wieder einmal "Szenen einer Ehe". Gerlinde, argwöhnisch wegen der stetig geschlossenen Kammer, bedrängt Blaubart fortwährend, ihr in diesen Raum einmal Einblick zu gewähren. Daraufhin bezichtigt Blaubart Gerlinde der Neugier und herrscht sie an, in dieser Angelegenheit doch endlich einmal Ruhe zu geben. Mitnichten! Gerlinde bohrt immer weiter und wird auf Blaubarts Verärgerung nur noch mißtrauischer. Schließlich wird der heftige Streit durch das Erscheinen der Festgäste unterbrochen. Nach der Entgegennahme von Gratulationen zieht sich Blaubart mit seinen Kumpanen zurück, Gerlinde steht mit dem Schlüssel in der Hand vor der geheimnisvollen Kammer. Die aufkeimende Neugier kann nicht mehr unterbunden werden, die Kammer wird geöffnet, und Gerlindes fürchterliche Ahnung beim Anblick der Leichenteile bestätigt. Unerwartet kehrt Blaubart zurück, und aus Zorn über die geöffnete Kammer ersticht er Gerlinde. Da erscheint Junker Roderich, zückt sein Schwert und nach erbittertem Kampfe rächt er den Tod seiner verblichenen Liebe. Sodann richtet er die Klinge gegen sich selbst. Zuletzt erscheinen Blaubarts Freunde und - durch all die vorangegangenen Vorfälle geläutert - verkünden sie die hieraus zu ziehende Moral: Heirate kein siebentes Mal!

Für Neugierige: Künstlerinfo ...


RITTER BLAUBART

Zutaten

  • 100 g Brombeeren oder Heidelbeeren
  • 1/4 l Milch
  • 1/2 Tas. Kefir
  • 1 Tl. Puderzucker
  • 1 El. Walnüsse, fein gerieben
  • 1/2 Tl. Zitronenschale; gerieben
  • 2 Kugeln Vanilleeis

 

 

Zubereitung

Die Brombeeren waschen und mit einem Tuch trocken tupfen und pürieren.
Zusammen mit der Milch, dem Kefir, dem Puderzucker, den Walnüssen und der Zitronenschale in einen Mixer geben und gut vermischen.
In ein Glas abfüllen, etwas Vanilleeis daraufgeben oder unterrühren und mit einem Früchtespiess garnieren.

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